Pate von zwei kleinen Braunbären – Klaus Kaschel interviewte Mick Box

Interview

mit MICK BOX, Gitarrist bei Uriah Heep

 

Bereits seit 42 Jahren erfreut die englische Gruppe Uriah Heep die Musikfreunde mit ihrem melodiösen Hardrock.
Songs wie „Lady in Black“ oder „Free me“ gehören zum Standardrepertoire guter Rundfunksender. Als einziges Mitglied der Urformation ist noch Mick Box übrig geblieben.

Klaus Kaschel sprach mit dem freundlichen sympathischen Musiker vor dem Auftritt in Burglengenfeld.

Frage: Eure letzte CD „Into the wild“ ist insgesamt sehr heavy, manchmal in Hochgeschwindigkeit mit ekstatischer Orgel und röhrender Gitarre. War das eure Absicht als ihr ins Studio gegangen seid?

Box: Wir organisieren vorher nicht groß, sondern es entsteht immer ganz natürlich. Unsere neue kleine Plattenfirma Frontier Records wünschte sich ein rockigeres Album. Es gibt aber auch eine ruhigere Seite von uns auf der CD, so dass es eine ganz gute Kombination geworden ist.

Grundsätzlich legen wir uns vor Aufnahmen einer neuen Scheibe nicht fest, sondern sehen, wie es sich entwickelt.

Frage: Wie arbeitest Du mit deinem Keyboarder Phil Lanzon zusammen?

Box: Wir arbeiten jede Zeile und Note zusammen aus. Wir harmonieren sehr gut und die Songs entwickeln sich sehr organisch. Wenn ich eine Idee habe, entwickelt sie Phil weiter – und umgekehrt. Es ist ein gutes 50/50 Verhältnis bei jedem Song.

Frage. Wie wichtig ist euer Produzent Mike Paxman?

Box: Er ist fantastisch. Er ist das sechste Mitglied von Uriah Heep im Studio. Wir brauchen manchmal eine entscheidende Meinung bei einem Problem – dafür ist er der richtige Mann. Er steuert gute Ideen bei, er ist enthusiastisch und er steckt uns mit seiner Begeisterung an. Mit ihm gestalten sich die Aufnahmen wirklich sehr angenehm.

Frage: Uriah Heep spielten in mehr als 50 Ländern.

Box:… inzwischen sind es 56…

Frage: Anscheinend wollt ihr den Weltrekord erreichen.

Box: Den haben wir wahrscheinlich schon. Wir wollten immer auf der Weltbühne vertreten sein. Und schließlich sind wir schon über 40 Jahre im Geschäft.

Frage: Was war das exotischste Land, in dem ihr aufgetreten seid?

Box: Indien war sehr außergewöhnlich, Malaysia und Armenien auch. Die Länder Südamerikas sind auch cool.

Frage. Kannst Du dir denken, warum der Song „Easy living“ in den USA äußerst populär ist, während „Lady in Black“ vor allem in Deutschland sehr beliebt ist?

Box: Unterschiedliche Songs sprechen die Leute anders an. „Free me“ ist sehr populär in Südafrika oder Australien. Bestimmte Songs berühren die Seele auf andere Weise. So lange sie das tun, können wir damit glücklich sein ….(lacht).

Frage: Die LP „Wonderworld“ wurde 1974 in München aufgenommen. Woran erinnerst Du dich besonders?

Box: Damals war der englische Staat bei den Steuern brutal. Aber das Ganze hat sich in jeder Beziehung nicht ausgezahlt drei Monate von zu Hause weg zu sein, auch von der Familie getrennt. Es war schwierig, unter solchen Umständen ein gutes Album zu machen.

Frage: Aber ihr seid nie ganz aus England weggegangen aus steuerlichen Gründen?

Box: Nein, ich lebte zwar längere Zeit in den USA und in Australien, aber das hatte persönliche Gründe. Daheim ist daheim ….. (lacht).

Frage: Habt ihr nie daran gedacht ein Album mit einem Orchester aufzunehmen? Mit dem Ergebnis symphonischer melodischer Hardrock!

Box: Der Aufwand wäre enorm, obwohl einige Songs zur Orchestrierung tendieren. Wenn es jemand organisiert und die Kosten vorschießt – warum nicht.

Frage: Normalerweise schreibt ihr eure Songs selbst. Auf der LP „Abominog“ von 1982 gab es den Titel „On the rebound“ von Russ Ballard. Wie kam es dazu?

Box: Eine Idee der Plattenfirma. Sie sind wild auf Hits, die im Radio gespielt werden. Das behagt uns nicht, besser wir nehmen unsere eigene Musik auf. „On the rebound“ ist ein guter Song und wir machten eine prima Version davon. Auch Russ Ballard mochte sie.

Frage: Mickey Moody, früher bei Whitesnake, spielte bei euch auf dem Jubiläumskonzert zu „Demons and wizards“. Kennt ihr euch lange?

Box: Er machte beim „High Voltage Festival“ in London bei uns mit und bei zwei Shows in Tokio. Ich kenne Mickey seit Ende der 70-er, als er bei Tramline und ich bei Spice, der Vorläuferband von Uriah Heep, spielte. Wir traten in denselben Schuppen auf. Seitdem sind wir gute Freunde. Als wir einen Slide-Spieler brauchten, war er die geeignete Person.

Frage: Du bist Pate von zwei kleinen Braunbären im Zoo von Pilsen. Wie kam es dazu?

Box: Wir waren für einen Auftritt in Pilsen gebucht. Der örtliche Veranstalter bot mir die Patenschaft an. Der Zoo lag ganz in der Nähe unseres Auftrittsortes. So war ich einverstanden.

Frage: Gibt es Verpflichtungen bezüglich Futter oder Arztkosten?

Box: Nein, aber wenn wir in der Nähe sind, schaue ich nach, wie es den Bären geht…. (lacht).

Frage: In Zürich gibt es ein mehrstöckiges Haus, auf dem zwei riesige Augen aufgemalt sind. Was hat es damit auf sich?

Box: Ich bin in der Stadt rummarschiert, habe das Haus zufällig entdeckt und die Fassade fotografiert. Es erinnert an eines unserer Plattencover. Vielleicht ist der Hausbesitzer oder der Architekt ein großer Fan von Uriah Heep!

Frage: Uriah Heep veröffentlichte eine Vielzahl von LPs und CDs. Sammelst Du alle Ausgaben?

Box: Alle Editions zu sammeln ist unmöglich. Manchmal verleihe ich CDs an Leute, die etwas lernen wollen, aber meistens bekomme ich es nicht zurück …… (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

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