David Byron – The Early Sessions 1968-1970–eine Rezension von Ralf Schünemann

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CD „David Byron – The Early Sessions 1968-1970“
(erschienen am 29.01.2012 zum 65. Geburtstag von David Byron)

„David Byron – The Early Sessions 1968-1970“ ist eine CD-Produktion, die ich nie für
möglich gehalten hätte und die mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht. Es
fängt an mit der hervorragenden Klangqualität direkt vom Mastertape (!) über die
ansprechende äußere Gestaltung bis hin zur gelungenen Zusammenstellung der
Titel.

Erstaunlich finde ich die Zähigkeit eines Ron Mann, ohne den es diese Produktion
nie gegeben hätte. Ohne ihn wären diese Werke für die Öffentlichkeit verloren
gewesen. Deshalb geht an Ron mein besonderer Dank. Nur so ist auch meine
jahrelange Recherche nicht vergeblich gewesen.

Es ist mein Wunsch, daß David Byron nicht einfach der anonyme Uriah Heep-
Sänger bleibt, den nur Insider namentlich kennen. Er soll durch dieses Projekt auch
in der Öffentlichkeit bekannt werden und die verdiente Anerkennung für seine
musikalischen Leistungen bekommen.

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Eine Anmerkung zu den Songs:
Einmal im Monat wurde anhand der Top-aktuellen Englischen Hitliste eine LP mit 12
Titeln (manchmal auch andere Formate wie Mini-LP, EP etc.) mit nachgesungenen
Versionen preiswert auf den Markt gebracht. Das waren die sogenannten
„Taschengeld-Schallplatten“. Diese wurden vor allem von Jugendlichen gekauft, weil
das Geld für die Originalversionen nicht ausreichte.

Der Studio-Musiker John Smith (von der Beat-Band „John Smith & The New
Sound“) war an einer konkurrierenden Produktionsreihe der 60er Jahre aktiv beteiligt
und kann folgendes dazu berichten:

„…wir Musiker bekamen ein Tape mit den Originalversionen für zu Hause. Oft ging es
schon am nächsten Tag ins Studio. In wenigen Stunden, meistens nur mit einem
„Take“ pro Song, wurden die Musikstücke eingespielt. Vorhandene Fehler und
Unreinheiten wurden hinterher beim Abmischen irgendwie korrigiert…“

Die Schallplatte wurde danach im Eiltempo hergestellt und veröffentlicht. Denn die
Top Hits wären schon wenige Tage später nicht mehr aktuell genug gewesen, um mit
diesen Cover-Versionen ein lohnendes Geschäft zu machen.

Meine persönliche David Byron-Geschichte
Für mich begann alles 1998 mit meinem kurzentschlossenen Eintritt in den
Deutschen Uriah Heep- Fanclub „Stay On Top“. Ich war überrascht, daß es zu
diesem Zeitpunkt so einen Club überhaupt gab und hatte nur zufällig davon erfahren.
Dort war ich gut über Aktuelles von Uriah Heep informiert und konnte Gleichgesinnte
treffen.

Doch schon bald erfuhr ich im Club von den geheimnisvollen David Byron-
Chartbusters. Von sehr wenigen Songs abgesehen, waren diese Aufnahmen
spurlos verschwunden. Das ließ mich nicht mehr los. Es war eine faszinierende
Vorstellung: David Byron, die Stimme von Uriah Heep singt Chart-Hits der 60er
Jahre. War er nicht eigentlich ein Rocksänger? Wie würde sich das anhören?

Als ich 2002 erstmals online ging, gehörte die Suche nach Hinweisen zu diesen
Chartbusters- Produktionen zu meinen ersten Bewegungen, die ich jemals im
Internet machte. In einer Musik-Tauschbörse konnte ich tatsächlich einige dieser Top
Hit- Versionen von einem Anbieter aus Finnland herunter laden. Die Songs waren in
schlechter Qualität, aber trotzdem sensationell. Denn die Stimme gehörte zu David
Byron. Es waren Titel wie z. B. „You Can Cet It If You Really Want“, „Montego Bay“,
„Question“ und „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“.

Ich brannte alles auf CD und hörte es mir wochenlang täglich an, bis sich jedes
Detail in meinem Kopf festgesetzt hatte. Dann begann ich, Second Hand- Geschäfte
und Flohmärkte nach namenlosen Top Hits- Schallplatten zu durchstöbern. Zunächst
mit wenig Erfolg. Denn ich wußte ja nicht einmal, wie diese Produktionen und Label
hießen oder wie die Schallplatten aussahen. Ich mußte also sehr viel Glück haben
und genau diese Songtitel finden. Ein scheinbar unmögliches Unterfangen…

Im November 2003 nutzte ich einen freien Tag zum Stöbern im benachbarten
Hannover. In einem Geschäft für gebrauchte Schallplatten entdeckte ich in einer
Wühlkiste zwei LP des Deutschen Labels „Somerset“ von 1969 + 1970. Darauf
gelistet waren Englische Chart Hits ohne Angabe von Interpreten. Zwei dieser
Songs, die ich aus dem Internet kannte, waren aufgelistet. Ich hörte kurz hinein. Es
waren tatsächlich die Versionen, die ich heruntergeladen hatte. Zum günstigen Preis
von insgesamt 5,- Euro kaufte ich diese beiden LP und hatte zu Hause ein
unglaubliches Musikerlebnis. Alles wurde gesungen von David Byron und einer
unbekannten Frauenstimme.
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Damit besaß ich einen ersten Anhaltspunkt zur weiteren Suche. Ich entdeckte nun
immer mehr Schallplatten, die auch wieder Hinweise enthielten usw. Die
Erfolgsquote, David Byron-Versionen zu finden, lag zu der Zeit bei etwa 50% der
gekauften Tonträger. Es tauchten immer mehr Songs mit seiner Stimme auf.

Ich digitalisierte alles und präsentierte es den Freunden im Uriah Heep-Fanclub. Dort
fand es Beachtung. Es erschien ein Bericht im Clubmagazin „Times“ dank unseres
damaligen Redaktionsleiters Christof Mallet. Uriah Heep -Jahrbuchautor Uwe
Reuters las es und nahm diese Entdeckungen in seine Jahrbücher auf. Uriah Heep-
Freunde aus aller Welt meldeten sich daraufhin bei mir mit Fragen oder wichtigen
Hinweisen, meistens per E-Mail. Ich erfuhr dann irgendwann von der David Byron-
Webseite. Offenbar waren noch andere zeitgleich am Recherchieren… So nahm
alles seinen Lauf.
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Das Äußere der CD
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Kaum zu glauben, ich halte sie hier in der Hand. Eine CD mit genau diesen
sagenumwobenen Titeln. Auf dem schwarzen Hintergrund des CD-Titelblattes ist
David Byron in singender Haltung zu sehen. Die Konturen wirken ein wenig
verwischt, was dem Ganzen eine interessante, nostalgische Note gibt. In gelber
Schrift ist oben der Name „David Byron“ zu lesen, unten der Schriftzug „The Early
Sessions“ und der Name des Plattenlabels „Artistry“. Schlicht und gut gemacht.

Auf der Rückseite des kleinen Booklets sind die 20 Titel aufgelistet. Völlig
unterschiedliche Stilrichtungen sind es: Soul, Folk, Beat, Pop und Rock. Eben solche
Songs, die damals in der aktuellen Hitliste standen. Damit wurde den beteiligten
Musikern einiges abverlangt.

Im blaßgelb gefärbten Innenteil befindet sich ein höchst interessanter Bericht von
Colin Richardson. Er war damals der Produzent für „Artistry“ und niemand kennt die
Begebenheiten, Stimmen und beteiligten Personen besser als er. Von ihm erfährt
man, wer sonst noch mit im Studio war. Namen wie Dana Gillespie, Peter Lee
Stirling
(=Daniel Boone), Reginald Dwight (=Elton John) und Alan Caddy tauchen
hier auf.

Ebenfalls im Innenteil des Booklets gibt es ein kurzes Statement von Ron Mann, der
mit seiner unglaublichen Energie schließlich alle Informationen zusammengetragen,
geordnet und öffentlich zugänglich gemacht hat. Und nicht nur das. Ron hat dafür
gesorgt, daß es neben dieser liebevoll und übersichtlich gestalteten Webseite
(www.davidbyron.net) jetzt zur Produktion dieser Chartbusters-CD gekommen ist. Bei
ihm laufen alle Fäden zusammen.

Auf der Booklet-Rückseite sind nochmals die Songtitel abgedruckt. Dort gibt es
weitere Angaben zur Produktion. Die Scheibe selbst wurde mit einem schönen Rot
mit silberner Schrift bedruckt. Das hat edlen Charakter.

Die Songs
Jetzt bin ich gespannt auf die Musik, schiebe die Scheibe in meinen CD-Player und
lehne mich zurück. Währenddessen wandern meine Gedanken noch einmal an die
spannende Zeit zurück, wenn ich mit neuen Entdeckungen vom Flohmarkt zurück
kam und voller Spannung die unbekannten Chartbusters- Schallplatten auflegte. So
ähnlich ging es mir jetzt auch.

Die CD beginnt mit Soul Deep von The Box Tops. Der Einstieg ist sanft und weich.
Davids Stimme kommt mit viel Gefühl herüber, passend zu diesem melodiösen
Sound. Wer ihn bisher nur als Rocksänger kannte dürfte überrascht sein von diesem
Feeling, das mit einer besonderen Leichtigkeit gebracht wird. Es ist eine schöne
Version dieses Songs.

Mit Come and Get It von Bad Finger gibt es den ersten von 3 Songs, die Beatles-
Bezug haben. Ein ganz anderer Sound ist das jetzt. Poppig, ein wenig rockig und
unterhaltsam. Auch jetzt wieder mit gutem Gesang und nahe am Original, was ja
Voraussetzung für den Erfolg war. Von diesem Titel existiert übrigens auch eine
Elton John- Version, qualitativ etwa vergleichbar mit dieser. Ist er es vielleicht, der
hier an einigen Stellen neben David Byron zu hören ist?

Was nun folgt basiert für mein Empfinden auf jener Amerikanischen Folkmusik, die
sich durch eingängige Melodien mit viel Gefühl und bildhaften Texten darstellt. Eine
Musik, die ich bereits als Kind in den 60er Jahren gerne gehört habe. Yellow River
von Christie gehörte damals zu meinen Lieblings-Songs. Diese Version beginnt so,
daß man sie kaum vom Original unterscheiden kann. Instrumental sehr dicht dran.
Erst nach dem Einsetzen des Gesanges läßt sich anhand der Weichheit und
Leichtigkeit der Stimme ein Unterschied ausmachen. So singt nur David Byron.

Nun wird es rockig. Wer erinnert sich nicht an C.C.R. und deren unglaublich
mitreißenden Country-Rock? Man kann gespannt sein, wie Bad Moon Rising von
C.C.R. auf Byron-Art klingt. Der Beginn ist wie erwartet kraftvoll und rockig. Schnell
setzt Davids klare und feste Stimme dazu ein. Aber auch hier ist der gewisse seidene
Hauch im Gesang zu spüren. Es ist nahe am Original. Mitrocken und
Gänsehautfeeling – beides steckt in dieser Version.
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Schon wieder gibt es einen ganz anderen Musikstil. Diesmal ist es Viva Bobby Joe
von The Equals. Es ist Pop mit afrikanischem Einschlag und klingt zudem ein
bißchen wie Bubblegum Musik. Der Gesang klingt höher und weniger Voluminös im
Vergleich zur Schwarzen Stimme beim Original. Aber trotzdem paßt alles gut.
Insgesamt ist es der bekannte schwungvolle Sound der Equals. Es ist gut, daß David
sich hier zwar gekonnt anpaßt, aber sich nicht völlig verstellt. So ist es jetzt ein
besonderer Hörgenuß.

Mit Behind A Painted Smile von den Isley Bros. ändert sich der Stil erneut.
Schwungvoll und soulig ist es von Anfang an. Dieser Song lebt vom Gesang. David
Byron setzt ein, begleitet von melodiösen und kräftigen Backgrounds. Sein
Gesangspart hat schnelle Wechsel, stark wechselnde Höhen und Mitteltöne in
schneller Abfolge. Dabei kommt an einigen Stellen sein unverwechselbarer Tremolo-
Gesang hervorragend zur Geltung. Es ist ein Genuß, diesem Stimmungswechsel zu
lauschen. Gegen Ende ist sogar einige Male David’s hohe Kopfstimme zu hören, wie
sie später den Uriah Heep- Sound unverwechselbar geprägt hat.

Abwechslungsreich bleibt es mit dem Road- & Rockersound á la Canned Heat. Let’s
Work Together
ist kräftiger Rock von Anfang an. David Byron liegt hier mit seiner
Rock & Roll- Stimme genau richtig. Fest und kräftig kommt sein Gesang. So ist es
eine explosive Mischung, die keinen Hörer stillsitzen läßt. Mitmachen passiert von
alleine.
Es ist auch instrumental hervorragend und mitreißend gespielt in einem tollen
Rhythmus. Kein Wunder, denn Baß und Gitarre bedienen hier die Uriah Heep-
Mitbegründer Paul Newton und Mick Box. Diese Coverversion hat Chartqualitäten.

Romantisch geht es weiter, wie die Rainbow– Version (Original von Marmalade)
deutlich zeigt. Es hat einen Liebeslied-Charakter. Der Gitarren-Einstieg ist ruhig und
bedächtig. Dann geht es im Countrystil weiter und bleibt so. Ein sehr sanfter Gesang
zieht sich durch den ganzen Song. Eine zweite Stimme ist zu hören. Vom Klang her
könnte das Daniel Boone sein. Schön sind die harmonischen zweistimmigen Parts.

Sehr gut erinnere ich mich noch an die alte Zeit, wo Tommy James & The
Shondells
in den Hitlisten standen. Das kraftvolle Mony Mony ist ein krasser
Gegensatz zu dem vorigen Song. Sofort ist es kräftig rockig und bald kommt der
Gesang dazu. Jetzt ist es erneut die Rock & Roll- Stimme von David Byron, die hier
Akzente setzt. Unverkennbar. Manche Stellen schreit er regelrecht heraus zu dem
hämmernden Rhythmus, der den Song durchzieht. Auch die originalen
Sprechelemente sind im Zwischenpart dabei und an der einen oder anderen Stelle
ertönen ansatzweise sehr bekannte Schreie… Dieses Stück ist ein besonderes
Hörerlebnis.

I’m Gonna Make You Mine von Lou Christie ist in dieser Version an Frische und
Gesangsfreude kaum noch zu überbieten. Es beginnt sofort mit vollem Schwung.
Bereits der kurze instrumentale Einstiegspart ist mitreißend. Dann setzt David’s
Gesang mit einer unglaublichen Mächtigkeit und Gesangsfreude ein. Und es steigert
sich herrlich rhythmisch immer weiter, bis es sich im Refrain zu einem
Wechselgesang mit einer herrlich prickelnden Frauenstimme entwickelt. Was für eine
Power! That’s Soul! Noch lange klingt dieser Song im Ohr nach…

David Byron ist offenbar in der Lage, sich in jeden Part hineinzufühlen. Er überrascht
erneut bei John Lennon’s Friedenshit Give Peace a Chance. So als ob es nichts
Leichteres gäbe schlüpft er in John’s Vorsänger-Rolle. Er geht darin völlig auf und es
hört sich so an, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Weitgehend alle Elemente,
der Sprechgesang aber auch instrumentale Parts kommen in dieser Cover-Version
vor. Es wirkt für mein Empfinden im Direktvergleich etwas sanfter. Interessant, wie
David auch diesen Part auf seine eigene Art meistert.
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Rockig-melodisch wird es mit John Fogerty’s Hammer-Song Long As I Can See
The Light.
Rhythmisch und mitreißend beginnt es. David’s Gesang läßt etwas das
Raue vermissen, was mir vom Original her vertraut ist. Aber auf seine spezielle Art
macht er es trotzdem hervorragend. Jeder Ton stimmt und die Stimme springt
gekonnt hin und her, von einem Extrem ins andere. Auch die „Oh Yeah“- Schreie
haben hier etwas spezielles. Ein wenig künstlich wirkt der durch Echoeffekt
verstärkte Saxophonsound. Aber trotzdem nicht schlecht. Insgesamt ist Long As I
Can See The Light in dieser Version ein Erlebnis, nicht nur für Byron-Freunde.

Ein „schräger“ Beginn läutet John Lennon’s Drogenentzugs-Song Cold Turkey ein.
Es besteht aus gerufenen kurzen Sätzen ohne Betonung, bewußt hektisch und
dramatisch hintereinander gesungen. Kräftige Bässe und schrille Gitarrenfetzen
verstärken diese Atmosphäre. Die bekannte sanfte Stimme wurde jetzt optimal
angepaßt. Alles mündet mehrmals in einen kurzen Refrain hinein, bevor schließlich
eine Mischung aus Schrei- und Stöhnlauten ein heftiges Ende setzt. Eine gut
umgesetzte Variante.

American Woman von Guess Who ist ein besonderer Rock-Evergreen. Diese
vergleichsweise sanfte Version hat sofortigen Wiedererkennungswert. Instrumental
schön umgesetzt setzt schließlich David‘s typische Stimme ein. Er versucht gar nicht
erst sich zu verstellen. Er legt einfach los. Immer wieder unterbrochen durch die
angenehm klingenden Instrumentalparts. Es ist eine Freude für Uriah Heep- Fans,
aber auch für Freunde harmonischer Klänge. Bei den schnell zu singenden Höhen
kämpft David ein wenig, bekommt aber immer wieder die Kurve. Hier gibt es nur
eines: Zuhören und wirken lassen…

Was nun folgt möchte ich als verspielten Space-Pop bezeichnen. Es ist der Song
Urban Spaceman von der Bonzo Dog Doo Dah Band. Vor der Entdeckung dieser
Version kannte ich den Song überhaupt nicht. Nach dem kurzen Einstiegspart sind
sofort David’s Popsänger-Qualitäten zu erkennen. Das kann er mindestens genauso
gut wie Rock & Roll. Grundsätzlich wirkt er sehr sicher bei Popmusik. Der Song ist
einfach gestrickt und geht bereits ein wenig in Richtung Klamauk, wie besonders am
Schlußpart zu merken ist. Es ist nette Unterhaltung und in diesem speziellen Fall mit
einer besonders großen Stimme.

Einfühlsam wird es mit dem Marmalade-Song Reflections of My Life. Es ist ein
sehr zarter und ruhiger Song, der mit sanfter Akustikgitarre beginnt. Ein unerhört
gefühlvoller Gesang setzt dazu ein. Hier geht David regelrecht auf. Klasse dann die
Steigerung in den melodischen Refrain hinein. Auch die 2. Stimme singt er
möglicherweise selbst. Sanft geht es weiter, zwischendurch mit einem schönen
Instrumentalpart. Und dann wieder dieser zarte, gefühlvolle Gesang. Die ruhige Seite
des als Rocker bekannten David Byron tritt hier besonders angenehm in den
Vordergrund.
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In einem Gänsehautträchtigen Duett mit Dana Gillespie wurde der Blue Mink
Song Melting Pot interpretiert. Dieser Hippie-Song beginnt nach einem schönen
Piano-Einstieg mit der wunderschönen Stimme von Dana. Mit einem „Yeah“ im
Hintergrund kündigt sich David Byron schon einmal an und steigt schließlich in
gleicher Manier ein wie schon bei „Reflections of My Life“: Zart und ruhig kommt
seine Stimme zur Geltung und ist die ideale Ergänzung zum großartigen, klaren
Gesang von Dana. Es ist einfach ein Genuß, den beiden zu lauschen. Das klingt
gerade so, als würden sie sich unterhalten und die Welt um sich herum vergessen
haben. Herrlich melodisch ist der zweistimmige Refrain. Gegen Ende dann noch ein
„freier“ Schrei von David in seiner typischen Weise.

Ein weiteres Duett von Dana und David folgt. Deutlich kräftiger und poppiger ist jetzt
Good Morning Freedom, ebenfalls von Blue Mink. Hier kommt Davids soulige
Variante seiner Stimme zur Geltung. Ja, er beherrscht sie sogar außerordentlich gut.
Dana singt dazu glasklar. Es macht Spaß, diesen beiden dabei zuzuhören, wie sie
sich gegenseitig übertrumpfen wollen. Schwungvoll geht diese gut interpretierte
Song-Version gleichbleibend gut bis zum Ende weiter und macht gute Laune.

Einer, der mit David Byron eng befreundet war, ist Peter Green (besser bekannt als
Peter Lee Stirling, Daniel Boone). Oft haben die beiden gemeinsam im Studio Top-
Songs produziert und hatten, wie Peter sagte, immer viel Spaß dabei gehabt. So z.
B. bei Klamauksongs wie „Lily The Pink“, wo die beiden zahlreiche unterschiedliche
Charaktäre spontan im Gesang imitieren mußten. Aber auch so ein Epos wie „Eloise“
gehörte zu ihren gemeinsamen Produktionen.
Der Song Soul Sister Brown Sugar von Sam & Dave ist auf diesem CD-Compiler
ein Tribut an Peter Lee Stirling. Er ist in dieser Version der Leadsänger und steht
David Byron in nichts nach. Beide haben in bestimmten Tonlagen eine fast
identische Stimme. Soul Sister Brown Sugar beginnt kräftig und soulig. Schnell
setzt Peters feste, voluminöse Stimme dazu ein, so als hätte er nie etwas anderes
gesungen. Auch instrumental wird es rhythmisch gut begleitet. Eine besondere
Gesangsleistung ist in dem kurzen Zwischenpart zu vernehmen. Ich höre es immer
wieder gerne.

Ein unterhaltsamer Song der späten 60er Jahre setzt den Schlußpunkt. Es ist
Something Is Happening von den Herman’s Hermits. Diese Version ist gut
umgesetzt und gibt von Beginn an die richtige Atmosphäre wieder. Sanfter Beat der
60er Jahre. Die Stimme von David paßt hervorragend zu dieser etwas schmalzigen
Geschichte vom Verliebtsein. Es hat einen einfachen aber eingängigen Refrain, der
„…eieiei…“ gesungen wird. Danach geht es nett melodisch weiter. Immer wieder mal
blitzt das Tremolo aus David’s Stimme auf. Er klingt durchgehend locker und
entspannt bei diesem Song. Ich denke, das hat er mit Spaß und Leichtigkeit
gesungen.
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Fazit
Diese CD-Produktion ist für mich etwas ganz Besonderes. Aber wohl auch für viele
Uriah Heep- und Rockmusikfans weltweit. Die Art der Musik (aktuelle Charts der
60er) dürfte auch alle Radiomusik -Konsumenten von damals ansprechen, die mit
dem Umfeld von Uriah Heep sonst nicht so viel anfangen können (wer erinnert sich
nicht an Radio Luxemburg, das immer die aktuellste Musik ausstrahlte und heimlich
mit dem Kofferradio unter der Bettdecke gehört wurde…?🙂.

Nach dem Hören dieser CD ist es überraschend, daß David Byron gar nicht
unbedingt der „harte“ Rocksänger ist. Denn seine Stimme bewährt sich auch
erstklassig bei Pop, Soul, Folk, Rock & Roll, Beat und im gefühlvollen Duett. Eine
besondere Vorliebe von David Byron war offenbar der Rock & Roll, wie sein erstes
Solo-Album „Take No Prisoners“ von 1975 zeigt. Und sein Album „Baby Faced Killer“
von 1978 (ein Projekt mit Peter Lee Stirling) war sehr Poporientiert.

David Byron‘s Gesang quillt bei diesen Chartbusters mit einer unglaublichen
Leichtigkeit heraus. Der Spaß an der Sache ist nicht zu überhören. Eine Karriere als
Popsänger, so wie es z. B. Daniel Boone ab 1971 gelungen ist (Beautiful Sunday u.
a.), wäre für David auch vorstellbar gewesen. Er hätte auch erfolgreicher Sänger
einer Beat-Band der 60er Jahre sein können oder mit etwas Glück so erfolgreich wie
sein Studiokollege Elton John. Wir wissen aber, daß David Byron mit der Jazz &
Bluesband „Spice“ (daraus wurde 1970 „Uriah Heep“) bereits seit 1967 auf einem
anderen Weg war.

Interessant an diesen Chartbusters- Produktionen ist, daß David Byron offenbar ein
sehr gefragter Session-Sänger war. Das läßt auf seine Qualitäten, Fleiß und
besondere Kooperationsfähigkeit schließen. Denn es sind bereits über 140 bestätigte
Songs alleine aus dieser Produktionsreihe bekannt. Nur Peter Lee Stirling hat wohl
ähnlich viel produziert wie er. An weiteren vergleichbaren Projekten war er ebenfalls
beteiligt. Diese gilt es noch zu erforschen. Die Geschichte von David Byron geht
immer noch weiter…

Ralf Schünemann
26.02.2012
www.davidbyron.net

…Fortsetzung folgt…
Denn bei guter Nachfrage wird es weitere CD-Produktionen geben.
Die vorgesehenen Titel für die nächste mögliche CD-Veröffentlichung sind:

Raggamuffin Man
Race With The devil
Man Of The world
Loving Things
Keep On
Question
Yummy Yummy Yummy
Travellin’ Band
Hurdy Gurdy Man
Hello I Love You
Where Do You Go To?
Hello Susie
He Ain’t Heavy He’s My Brother
Ain’t Got Time Anymore
By The Way
Natural Born Boogie
Heather Honey
Instant Karma
Wet Dream
Sugar Sugar


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