Uriah Heep läuft zu Höchstform auf

Von Lars Fischer
Worpswede. Was macht eigentlich den Unterschied aus zwischen legendären Bands, die immer noch irgendwie ganz ok sind, und solchen, die nach wie vor verdammt rocken? Mit einem Zuviel – oder Zuwenig? – an Alter, gesunder Lebensweise oder Experimentierfreude lässt es sich nicht schlussendlich erklären. Fakt ist, Uriah Heep ist auch im 42. Jahr ihres Bestehens eine Band, die immer noch als Maßstab für eine perfekte Hardrock-Show steht. Mehr noch: Jetzt zeigte sie sich stärker als bei allen bisherigen Auftritten in Worpswede in den vergangenen zehn Jahren.

© Hasselberg
Seit 42 Jahren im Rampenlicht und noch kein bisschen müde: Uriah Heep präsentiert sich in Worpswede in bestechender Verfassung. Uriah Heep macht einfach vieles richtig, was Kollegen aus der Gründerzeit des harten Rocks über die Jahrzehnte manches Mal aus den Augen verloren haben. Zu der gut austarierten Balance zwischen moderat modernisierten Klassikern und neuen Songs im dezent erweiterten Fahrwasser kommt eine Fitness, Frische und Präsenz, die mit jedem Newcomer mithalten kann. Ob es daran liegt, dass es erst die zweite Show einer monatelangen Welttournee ist?

Dass die fünf Herren auf der Bühne alle keine 20 mehr sind, sieht man – hören und spüren kann man es nicht. Der jüngste im Bunde ist Schlagzeuger Russell Gilbrook, der auch als letzter zur aktuellen Besetzung hinzukam. 2007 ersetzte der 46-Jährige Lee Kerslake, der aus gesundheitlichen Gründen die Drumsticks nach 35 Jahren abgeben musste. Sein entschlossenes Spiel treibt die Band voran. Es scheint fast, als käme er mit seinen zwei doppelten Basstrommeln und den aggressiv scheppernden Becken aus, so sehr ist sein Spiel auf diese Teile seines Sets konzentriert. Auch wenn Uriah Heep nicht dem Heavy Metal zuzurechnen ist – den im wahrsten Sinne des Wortes eisenharten Stil ihres Drummers charakterisiert dieser Begriff eigentlich treffend.

Präzision und Tempo

Mit Trevor Bolder steht ihm ein Bassist zur Seite, auf dessen Dienste schon David Bowie in seiner Ziggy Stardust-Ära zurückgriff. Der 61-Jährige, der auch als Produzent und Komponist auf neueren Heep-Alben fungiert, gehört bereits seit dem Ende der 70er-Jahre zur Formation und ist nach wie vor an Präzision und Tempo kaum zu überbieten. Zusammen mit Gilbrook liefert er der Band ein höchst belastbares Rückgrat, das Energie und Dynamik garantiert. Umso leichter fällt es Keyboarder Phil Lanzon und Gitarrist Mick Box, dem letzten verbliebenen Originalmitglied, darauf die Melodien aufzubauen. Sänger Bernie Shaw, stimmlich in allerbester Verfassung, kann schließlich sowohl als durchsetzungsstarker Shouter als auch als akzentuierender Sänger überzeugen.

Gerne werden die Refrains mit mehrstimmigem Chorgesang der übrigen Bandmitglieder ausgestaltet. Das sorgt für ein wenig mystische Aura, die bei der Band, die sich nach einem äußerst unsympathischen Anwaltsgehilfen aus Charles Dickens „David Copperfield“ benannte. Zurück geht dieses märchenhafte Image vor allem auf das vierte Album, „Demons and Wizards“ von 1972, von dem noch immer drei Songs im Programm sind. Mit „Gypsy“ geht es sogar weiter bis zur Debüt-LP, die ein Jahr nach der Bandgründung 1970 erschien. Shaw und zeitweise auch Box moderieren das Konzert wie eine Zeitreise, fügen die Entstehungsdaten der zahlreichen Klassiker oft hinzu und haben so keinerlei Mühe, auch für ihre neueren Stücke, die nicht unbedingt herausragend, aber durchaus hörenswert sind, Zustimmung zu erhalten.

Am Tag des Auftritts ist mit „Into the wild“ das 23. Studioalbum auf den Markt gekommen, das mit sieben Songs die ungewöhnlich lange Setliste dominiert. Die Klassiker sind dabei allerdings geschickt verteilt, weitere Songs aus der jüngeren Bandgeschichte gibt es dafür nur wenige. 19 Songs in knapp zwei Stunden servieren die Briten, mit großer Einsatzfreude und ebensolcher Lautstärke, die ebenfalls an die Grenzen geht ohne sie zu überschreiten. Ganz am Schluss stehen – wie könnte es anders sein – natürlich „Lady in black“ in einer leider etwas lieblos aufbereiteten Version und, schon in der einzigen Zugabe des Abends, „Easy livin“.

Bis dahin haben die Fans in der ausverkauften Music Hall alles das bekommen, was sie von Uriah Heep erwarten können. Volle Rockbreitseiten, psychedelische Ausflüge, satte Soli und reichlich Gelegenheit zum Mitsingen und Headbangen. In dieser bestechend guten Verfassung ist Uriah Heep auch im fünften Jahrzehnt ihres Bestehens und nach drei Dutzend Besetzungswechseln noch immer eine hieb- und stichfeste Trutzburg im hart umkämpften Hardrock.

Quelle: http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Landkreis-Osterholz/362604/Uriah-Heep-laeuft-zu-Hoechstform-auf.html

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