Rock-Dinos in voller Fahrt

19. April 2011 | 03:20 Uhr | Von Holger Heldt

Das fetzt: „Uriah Heep“ mit Urgestein Mick Box in Flensburg – so gut wie damals. Foto: Dewanger

Das Roxy-Concerts will in diesen Wochen nicht zur Ruhe kommen – ein Konzertkracher jagt den nächsten. RC-Chef Mike Rossow sei Dank. Dem war es am Sonnabend wieder einmal gelungen, seinen „Rockgourmets“ einen exquisiten Ohrenschmaus auf die Karte zu setzen. Uriah Heep – satt!

Das Roxy war voll. Eine endlos lange Warteschlange vor dem Einlass hatte so etwas bereits erahnen lassen. Vorfreude, die sich Stunden später in Begeisterung auflösen sollte. Und das Erfolgsrezept dieses phänomenalen Rockkonzertes war so simpel wie schmackhaft und verdaulich. Man verwandle die Bühne in Teufels Küche und serviere dann Uriah Heep. Feurig-scharf mit altbewährten Zutaten; aber frisch zubereitet statt nur aufgewärmt.

Zur Begrüßung durch Leadsänger Bernie Shaw gab es ein urschreiartiges „Are you ready!“, das in jedem Winkel des Roxy-Concerts sein Echo fand. Das dreizehngängige „Heep-Menue“, es war angerichtet. Mit allen Uriah-Klassikern aus ihrer goldenen siebziger Decade („Return to fantasy“/“The wizzard“/“Sweet Lorraine“) sowie vier Kreationen der frischgepressten LP „Into the wild“.

Die Band um den einpeitschenden Frontmann Shaw lief unweigerlich zu ungeahnten Höchstformen auf. Allen voran Leadgitarrist Mick Box, Vollblutmusiker seit der Geburt des „urigen Haufens“ 1969. Und unglaublich, aber wahr: zweiundvierzig Jahresrunden im Ring. Ohne K.o. Sein permanent breites Grinsen zwischen weißer Mähne und schwarzer Sonnenbrille verriet es; der Mann will einfach nur spielen. Und wie! „Look at yourself“ – mit einem derartig diabolischen Gitarrensolo, welches, getränkt in bizarre Effekte, das Publikum kurzzeitig in Hypnose versetzte. Der nicht enden wollende „July morning“ lieferte den endgültigen Beweis: Rock-Dinos wie Mick Box können gar nicht aussterben.

Und dann waren da ja auch noch die beiden unverkennbaren „Uriah Heep“-Markenzeichen: Hammond-Orgel und Chorgesang. Bei „Gypsy“ brachte Phil Lanzon sein schweres Tastengerät derartig zum Röhren und Grollen, als wäre eine Horde Saurier im Anmarsch. Der fast schon sopranöse tutti Chorgesang entführte das Publikum in die „mystische (Unter)welt der Ahas und Uhus“. Nur Engel singen schöner. Eine fulminante Rhythmusleistung lieferten Drummer Russell Gilbrook und Trevor Bolder (spielte schon bei David Bowie) am Bass.

Ein sichtlich begeistert-erschöpftes Roxy-Publikum entließen die „Heepies“ dann mit zwei Nachspeisen aus ihrer Teufelsküche. Der ewigen Partykeller-Engtanznummer „Lady in black“ und als einzige Zugabe die Losung für den Heimweg: „Easy livin’“. Bei aller derzeitigen globalen Energiediskussion bleibt nach diesem Konzert die absolute Sicherheit: die „U.H.“-Kraftwerklaufzeit kann bedenkenlos um weitere 40 Jahre verlängert werden.

Quelle: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/der-inselbote/artikeldetails/article/803/rock-dinos-in-voller-fahrt.html

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