(Traurige) Gedanken zur Zeit – von Jürgen Scholz

Am Morgen des 08.12.2010 holte ich Routinemässig auf meinem Notebook die eMail Post Eingänge der vergangenen Nacht ab.

Es traf mich nicht nur wie ein Schock, sondern auch vollkommen unerwartet die furchtbare Nachricht, dass unser langjähriger Freund LARS PEPER mit erst 39 Lebensjahren bereits von uns gegangen ist.

Als ich LARS im Umfeld unseres Uriah Heep Fanclubs „Stay On Top“ kennen lernte, war er mir sofort absolut sympathisch und ich erkannte, in ihm einen guten Freund kennen gelernt zu haben, welchem man durch und durch vertrauen kann. Er war sehr schlank und er fiel durch sein oftmals freundlich lächelndes Gesicht und seine sehr langen Haare auf, die er manchmal zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte.

Vor elf Jahren, relativ kurze Zeit nach meiner schweren Herzoperation, fand in London die erste „Heepvention“ mit Ken Hensley und John Lawton statt. Eigentlich erachtete ich es als unmöglich, diese vielversprechende Veranstaltung besuchen zu können, aber meine liebe Frau Elga riet mir liebevoll dazu, es doch wenigstens zu versuchen. Es war Lars Peper, welcher mir nicht nur fernmündlich Mut zusprach, sondern der mir auch anbot, sich um mich zu kümmern, falls ich mich dazu aufraffen könnte.

Als ich dann, noch ziemlich schwach und zitterig, in der Abflughalle des Düsseldorfer Flughafens ankam, sass dort schon Lars, auf mich wartend und mir erwartungsvoll entgegen schauend. Und er hielt was er mir versprach. Es war für mich, natürlich nicht nur, aber doch zu einem grossen Teil unserem LARS zu verdanken, dass dieser London Aufenthalt ein unvergessliches Erlebnis und unvergessen bleibt.

Als ich das zweite Mal mit LARS zusammen in London ankam, suchten wir unser Hotel auf und stellten fest, dass unser Zimmer über ein Französisches Ehebett verfügte. Also begaben sich LARS und ich hinunter zur Rezeption, wo ich in Englischen Bröckchen äusserte: „This Is My Friend, Not My Husband…“ was einen spontanen Fröhlichkeits-Anfall auslöste. Und so erhielten wir sogleich ein anderes Zimmer mit getrennten Betten.

Dieser zweite Aufenthalt in London, zu einem weiteren Konzert mit Ken Hensley und John Lawton wurde, durch LARS, zu einem ganz besonderen Erlebnis.

LARS äusserte den Wunsch, einen Stadtteil aufzusuchen, wo viele Antiquitäten angeboten werden, leider weiss ich nicht mehr, wie dieser Stadtteil hiess, aber es könnte Notting Hill gewesen sein. Dort war alles bunt und in der Tat hatte ich bis Dato noch nie eine solche riesige Antiquitäten-Vielfalt gesehen. Aber nicht nur das. Es köchelte und brutzelte an allen Ecken und Enden und die köstlichsten exotischen Düfte umwehten uns. LARS und ich, wir konnten uns gar nicht satt sehen an dieser Vielfalt und schliesslich setzten wir uns nieder an einem Strassencafé. Auf der gegenüber liegenden Seite beobachteten wir, wie die Polizei an einem Fahrzeug eine Wegfahrsperre anbrachte. Als dann der Fahrer erschien mussten wir unwillkürlich lachen über das Verhalten dieses Autobesitzers.

Ich besuchte mit LARS den Stadtteil Soho, weil ich mich dort ganz gut auskannte, durch meine indischen Freunde, mit denen ich einige Male London besuchte.

Des Weiteren suchten LARS und ich die berühmte „Penny Lane“ auf, wo das Studio steht, in welchem die Beatles damals ihr Album aufgenommen hatten. Wir begehrten, das Studio Gebäude betreten zu dürfen, aber das wurde uns verwehrt. LARS knipste noch ein Foto, wie ich über diesen weltberühmten Zebrastreifen ging, ich tat selbiges für ein Foto mit LARS auf diesem Zebrastreifen. Dann beobachteten wir einen Vater mit seinem jungen Sohn, auch er wollte in das Studio, um es seinem Jungen von innen zu zeigen. Wir informierten den Vater, dass es ein sinnloses Unterfangen wäre, aber er reagierte so, als wenn er seinem Sohn begreiflich machen wollte, der Papa macht das schon. Als er dann auch, wie zuvor wir, restlos gescheitert war, haben LARS und ich uns köstlich amüsiert.

Dann begaben wir uns in den Hyde Park, wo LARS mir „Speakers Corner“ zeigte.

In der Nähe unseres Hotels befand sich ein grosser Lebensmittel Supermarkt, welcher die ganze Nacht geöffnet war (zu dieser Zeit hatten wir nur die langen Donnerstage) und LARS schlug mir vor, wir mögen doch mal diesen Supermarkt zu nächtlicher Stunde aufsuchen, um die Atmosphäre kennen zu lernen. Und so begaben wir uns kurz vor Mitternacht zu diesem Supermarkt und liefen dort als Einzige „Kunden“ umher. Auch das war ein Erlebnis, was man nicht mehr vergisst.

Der liebe LARS ging jeden Tag oder jeden Abend mit mir in diverse Indische Restaurants, weil dies mein grosser Wunsch war. Am letzten Tag besuchten wir ein hochmodernes Duplex Kino und LARS bat mich, wir könnten doch wenigstens einmal in ein Thai Restaurant gehen, was wir selbstverständlich auch taten. LARS erklärte mir noch, dass die Schärfe nach dem Essen überhaupt nicht lange anhält, was natürlich stimmte.

Wie oft hatten wir uns vorgenommen, hier im Ruhrgebiet einmal, gemeinsam mit unseren Ehefrauen, Indisch essen zu gehen. Leider ist es nie dazu gekommen.

Ja, nun gibt es LARS nicht mehr, das stimmt mich sehr, sehr traurig. Wie aber müssen sich erst seine Frau Julika und die zwei noch so jungen Kinder fühlen, ich mag gar nicht darüber nachdenken.

Das letzte Mal war ich bei unserem Abschiedstreffen auf dem Ferienhof Homann mit LARS zusammen. Wir teilten uns wieder ein Zimmer. Über diesem letzten Zusammentreffen lag ein etwas trauriger Schleier, denn wir spürten alle, dass da etwas endgültig zu Ende geht, oh Gott, wie sehr ist alles, alles so absolut Vergänglich. Aber unser lieber Freund Thomas Schaumburg hatte zum Glück, durch ein sensationelles Ausflugs Programm, uns allen trotzdem wieder wunderbare Minuten, Stunden, Tage beschert.

Ja, bei diesem Zusammentreffen habe ich, haben wir das letzte Mal unseren LARS gesehen und gesprochen. Wer wäre je auf die Idee gekommen, dass man sich nie mehr wiedersieht.

Ich glaube fest daran, dass seine Seele weiter existiert und in diesem Glauben bin ich überzeugt, dass wir uns irgendwann in einer anderen Dimension wieder begegnen werden.

Ich wünsche Euch eine besinnliche Weihnachtszeit und ein friedvolles Jahr 2011.

Euer Jürgen

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