Uriah Heep – Wake the sleeper – (Rezension von Axel Burlet)

Nach einigen intensiven Hörgängen hier meine Beurteilung. Wie immer lässt sich über Geschmack nicht streiten…
1 Wake The Sleeper

Cover of
Cover of Wake the Sleeper

Ich werde sofort von Tempo und Art an frühere Klassiker wie „Easy Livin“ oder die Einleitung von „Sunrise“ erinnert und so ist das Titelstück für mich eine kleine Manifestation der klassischen Uriah Heep. Wenn auch der Gesang auf eben diesen Aufruf beschränkt ist, kommen all die bekannten Stil-Elemente inkl. der schreienden Hintergrundchöre zum Zug. Da werden fast 40 Jahre Uriah Heep-Geschichte auf einen Song herunter destiliert, recycelt und dennoch neu geschrieben. Hut ab für diesen mutigen Beginn.

2 Overload

Kaum ist der schrille Weckruf verklungen, geht es sofort in hohem Tempo rockig weiter. Der Song hört sich von Anfang an gut an, Melodie und Rhythmus sind sehr typisch und erinnern sofort an einige Stücke der SOL oder SO. Dramaturgisch sehr abwechlungsreich und wohltuend die Hammond-Orgel sowie Russels druckvolles Spiel. Die Wahl für den neuen Schlagzeuger kann zweifellos als gelungen bezeichnet werden. Der Song dauert fast 6 Minuten und beinhaltet alle bekannten Facetten. Ein erstes Highlight.

3 Tears Of The World

Es geht auch mit Tempo in das dritte Stück. Für mich wäre dies das ideale Lied für eine Single-Auskopplung. Eingängig mit klarer Strophen-/ und mehrstimmiger Refrain-Struktur, dominiert von Micks Wah-Wah und erneut dominanter Einsatz der Hammond-Orgel. Etwas, das zweifellos im Radio gebracht werden könnte. Vielleicht wäre es noch besser vermarktbar mit etwas kürzerer Solo-Einlage.

4 Light Of A Thousand Stars

Dieser Song hat es wirklich schwer, das Eröffnungs-Trio noch zu toppen – und scheitert auch. Obwohl auch hier alle (modernen) Heep-Zutaten einfliessen, Phil sogar die Hammond einige Male „fauchen“ lässt und auch der Refrain zum mitsingen einlädt, will der Song bei mir nicht richtig hängen bleiben. Sicherlich darf er trotzdem als solide Arbeit bezeichnet werden.

5 Heavens Rain

Man denkt, nun kommt das erste ruhigere Stück. Doch es will weder eine richtige Ballade werden noch vermag es die bisherige hohe Klasse zu halten. Dieser Song will bei mir einfach keine Freude aufkommen lassen. Auch wenn wiederum abwechslungsreich das Tempo variiert wird und viel Platz für einzelne Solos bleibt.

6 Book Of Lies

Irgendwie werde ich an die Achtziger-Jahre erinnert. Der Song ist zwar schön melodiös mit einem tollen Refrain hinterlegt, aber der eigentliche Liedinhalt ist mir zu abgehackt. Trotz druckvoller Bass/Drum-Unterstützung gefällt mir dieses Wechselspiel eher nicht so gut.

7 What Kind Of God

Sofort spürt man, dass nun wieder ein besonderer Track kommt. Für mich Bernie’s stärkste Leistung. Dazu ein Anfang mit dramatischen, spannungsgeladenen Rhythmen, die nach gut der Hälfte in einen fantastischen Schlussteil übergehen, wo alle Akteure sich mit grosser Klasse einbringen. Nach rund sechseinhalb Minuten endet dieser Übersong. Der Glanzpunkt dieser Scheibe!

8 Ghost Of The Ocean

Mick drückt mit seinem typischen Stil gleich ein weiteres Mal einem Stück den Stempel auf. Und was bei „Light Of A Thousand Stars“ nicht gelingt, kommt hier so perfekt rüber, wie wenn es die einfachste Sache der Welt sei. Ein cooler Song mit tollen Einlagen, starken Rhythmus-Breaks und gutem Refrain. Ein weiterer Single-Kandidat. Und wieder peitschen die fauchend-kreischende Orgel und die Lead-Gitarre diesen Song über die Runde. Super.

9 Angels Walk With You

Ist das nun die Ballade, die nach dem Temporeigen schon fast erhofft wird? Endlich mal eine kleine Tempodrosselung, eventuell sogar ein Einsatz der Akustik-Gitarre? Doch nach einer Minute merkt man, dass nichts daraus wird. Doch diesmal kann ich mit dem Refrain nicht so viel anfangen. Der Versuch scheitert irgendwie gesanglich, wenn auch Schlagzeug und Orgel eine interessante Begleitung hinterlegen, der Gesangsrhyhtmus kann mich einfach nicht begeistern. Dennoch ein interessantes Stück, dem man vielleicht einfach ein wenig mehr Zeit geben muss. Jedenfalls ware es live sicherlich mit langen Solo-Einlagen und Improvisationen ein Mehrwert.

10 Shadow

Auch im zehnten Stück wird nochmals die Stilrichtung der ganzen CD bestätigt. Schnelles Tempo, gradliniger Song-/Refrain mit tollen instrumentalen Einlagen. Trevor drückt diesmal seine Basslinie über die ganzen dreieinhalb Minuten aufdringlich durch. Power-Rock vom feinsten.

11 War Child

Der letzte Song versucht das hohe Niveau nochmals leicht anheben und alle bereits erwähnten kompositorischen Zutaten kommen nochmals in etwas mehr als 5 Minuten in bester Manier daher. „War Child“ ist sicherlich ein gelungener Schlusspunkt dieser unerwartet rockigen Heep-Scheibe.
Das Fazit fällt sehr gut aus. Auch wenn ganz progressive Stücke (wie z.B. Beetwen Two Worlds, Aggainst The Odds oder Universal Wheels) fehlen, fällt einem die unglaubliche Spielfreude auf. Man beschränkt sich zudem auf 11 Stücke mit klarer rockigen Linie, untermalt das ganze mit einer viel dominanteren Hammond-Orgel als früher und zieht alle weiteren heep-typischen Elemente hinzu. Bei jeden weiteren Reinhören fallen einem neue Details auf, auch das ein Zeichen für eine anspruchsvolle Produktion. Es gibt kein wirklich ganz schwaches Stück und die Highlights sind auch da, die Tonqualität ist vom feinsten und es ist zu hoffen, dass viele Stücke den Weg vor das Publikum finden. Sie laden geradezu ein, im Stile von Deep Purple auch mal ein wenig mehr zu improvisieren.

Mit dieser soweit positiven Kritik stehe ich nicht alleine da. Es freut mich, dass hier wie auch in den Online-Shops so viele Fans ihre gute Eindrücke festgehalten haben. Sollte jetzt die Partnerschaft mit Universal auch weiterhin gut laufen, wird es wohl nicht wieder 10 Jahre dauern bis eine Fortsetzung auf den Markt kommt…

Alex Burlet, 2008

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