Ken Hensley- Blood on the highway (Rezension von Axel Burlet )

Ich war zuerst mal voller Vorfreude auf Ken’s neuestes Projekt und als ich die begeisterten Reaktionen im SOT-Forum las, konnte ich kaum auf die Zusendung der Scheibe warten. Und es ist in der Tat verdientes Lob von Fans und Medien. Noch kein Solo-Album von Ken hat meiner Meinung nach so hohe Noten verdient. Mit dem Konzept der Lebensgeschichte spinnt er einen dramaturgischen Faden, der durch den Einsatz der verschiedenen Gastsänger/in nie zu reißen droht.

Mit „Just the beginning“ wird das Album bereits rockig eröffnet. Jorn Landes Stimme ist auf Anhieb angenehm. Kein Softie – eben ein Rocksänger. Zudem ist die Orgel zu hören, welche für mich einfach das Markenzeichen von Ken ist. Der Einstieg ist geglückt. Der Refrain ist einprägsam, verstärkt durch Backvocals. Ich erwarte gespannt den nächsten Song „We’re on your way“.

Nun singt Ken, aber schon bald übernimmt erneut Lande wieder das gesangliche Zepter. In den Refrains kommen verschiedene Andeutungen von Heep-Songs (Lady in Black, July Morning-Intro, Free Me). Bereits ist erste Mitsing-Stimmung aufgekommen.

Das dritte Stück, der Titelsong, beginnt düster und erwartungsvoll. Instrumentenmässig etwas facettenreicher als die ersten beiden Lieder. Der Refrain wiederum gut einprägsam, könnte gut im Radio gespielt werden. Jorn Lande drückt diesem Song über die verlogene Musikbranche besonders seinen Stempel auf.

Mit „You’ve got it“ singt Lande auch das vierte Stück, diesmal ein bereits bekanntes Stück von Ken. Und Lande ist auch hier eine ausgezeichnete Wahl zum Thema Euphorie und Drogen. Diese Version kommt klar besser als das Original rüber. Dafür haut Hensley nochmals in die Tasten seiner Hammond, die in diesem Lied natürlich auch nicht fehlen darf.

5. Track – Erster Szenenwechsel; Nach dem Aufstieg der Fall
[gesprochen von einer Frau (Ken’s?) im Hintergrund läuft „Easy Livin‘ „. ]

Lied Nummer 6 – mit John Lawton. Man ist sofort von der Intensität des Stücks gefangen genommen. Vorbei ist die Lässigkeit der ersten Lieder (im geschichtlichen Aufstieg zum Rockstar). Zu ernst ist die Thematik um Selbstlüge und Wahrheit. Zudem geht es einiges härter zur Sache, Gitarre und Orgel brettern in höherem Tempo. Einmal mehr erzeugt John’s Stimme Gänsehaut. Schade, dass es sein einziger Solopart auf der CD bleibt.

Mit dem Stück 7 folgt das zweite Lied aus Ken Hensleys Fundus. „Think twice“ gesungen von Eve Gallagher über die ganze Tragik des Erfolgs. Der melodramatische Song ist perfekt arrangiert und übertrifft das Original an Intensität. Eine weitere Glanznummer auf der CD. Ken beweist eine sichere Wahl der Künstler am Mikro. Eve’s rauhe Stimme ist Weltklasse.

8. Track 8 – Zweiter Szenenwechsel – Ausstieg und Neustart in Soloprojekten.
[gesprochen von einer Frau (Ken’s?) im Hintergrund läuft „Easy Livin'“.]

Der nächste Song singt Ken wieder selbst. Diese gefühlvolle Ballade eröffnet die Thematik des geläuterten Rockstars. Hier muss er einfach singen, passt bestens ins Konzept. Herrlich akzentuiert dazu das Piano und ein schönes Saxophon-Solo.
[Es handelt sich offenbar auch um ein bereits früher veröffentlichtes Stück von Ken. Ich habe jedoch die CD nicht und kann daher nicht beurteilen, ob es stark vom Original abweicht.]

„Okay“ das zehnte Stück wird von der Bühne gesungen. Ein an Easy Livin‘ nachempfundener schneller Rhythmus und Jorn Lande sing druckvoll auf. Das stärkste Stück mit ihm. Dazu ein schönes Gitarrensoli und erneut ist die Orgel mit im Spiel. Auch hier lädt der Refrain zum Mitsingen ein, zumal er den Live-Charakter durchzieht und am Schluss mit Applaus und Verabschiedung endet. Genial gemacht!

Das elfte Stück „What you gonna do“ bringt nochmals eine neue Stimme in Spiel. Eine eher ruhige Nummer, die Glenn Hughes sehr gefühlvoll vorträgt. Phasenweise erinnert mich seine Stimme und die Art wie er das Lied singt an John Sloman auf „Conquest“.

12. Track – Dritter Szenenwechsel; Gegenwart
[Ken singt nochmals das Thema von Lied Nummer 2 an]

In Nr. 13, dem vorletzten Song „I did it all“ kommt der Meister nochmals selber am Mikro zum Zug. Er resümiert eindringlich seine Erfolge und die Einsicht, dass nun andere ganz oben stehen. Ein Lied über Vergänglichkeit im Showbusiness und über Eindrücke und Erinnerungen in solch einem Leben. Der Einsatz des Orchesters gibt zusätzliche Fülle.

Den Schlusspunkt setzt dann Track 14, das neu arrangierte „The last dance“. Hier bin trotz mehrmaligen Hin- und Her-Hören zwischen Original und der von Glenn Hughes gesungenen Variante zu keinem endgültigen Schluss gekommen, welches die bessere Version ist. Aber da es sowieso eines der besten Lieder aus Hensley’s Neuzeit ist, spielt das keine Rolle, da es diese phantastische Scheibe ideal abschliesst.

Fazit:
Ken gelingt nicht zuletzt dank der Wahl der Gastsänger ein rundum gelungenes Konzept-Rockalbum ohne Schwächen. Die Geschichte hat einen roten Faden mit thematischen Übergängen. Dazu Anspielungen auf Heep-Songs. Noch nie hat er ein so durchgehend gutes Album herausgebracht. Für mich das beste seiner Solo-Karriere.
Nachdem Ken nun aber in den letzten Jahren genügend seine Altlasten vorgetragen und aufgearbeitet hat, dazu reichlich christliche Überzeugung intoniert und sein Backkatalog und alte Heep-Songs inkl. Lady in Black und Free Me als Single neu aufgelegt hat, ist es an der Zeit wirklich nach vorne zu sehen und neue Dinge zu tun. Er kündigt dies ja auch in den Interviews an. Der Erfolg sei im zu gönnen, hat er doch niemanden mehr zu beweisen, was für ein begnadeter Songschreiber und Komponist er im Rockgeschäft war/ist. Der Fan sollte aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es eben kein Heep-mässiger Return geben wird. Zu recht. Das Thema des aufsteigenden und gescheiterten Rockstars ist zwar nicht neu, man weise zum Beispiel auf Erik Norlander’s „Music Machine“ hin. Aber hier kann endlich Ken seine Geschichte seinem Können entsprechend aufarbeiten (inkl. Buch). Die drei Solo-Alben der letzten Jahre konnten das jeweils nämlich nur bedingt.

Alex Burlet, 2007

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