KEN HENSLEY „Blood On The Highway“ – Hamburg (Fabrik), 22.05.07 (Review von Ralf Schünemann)

KEN HENSLEY feat.
JOHN LAWTON, GLENN HUGHES, JORN LANDE und EVE GALLAGHER

Weltpremiere der Rockoper
„BLOOD ON THE HIGHWAY
When Too Many Dreams Come True”

Hamburg (Fabrik), 22.05.2007

Gerade 6 Tage war es her, da saß ich im Zug nach Bochum, um endlich wieder gute Livemusik zu hören. Nun war es schon wieder so weit. Diesmal fuhr der Zug in Richtung Hamburg. Dort hatte ich durch Stay On Top in den letzten Jahren viele neue Freunde gefunden und freute mich schon darauf. Diesmal erwartete mich die Uraufführung von Ken Hensley’s Lebensgeschichte “Blood On The Highway“. Also schon ein ganz besonderer Anlass für einen Uriah Heep– Fan.

Nach dem Einchecken im “Schanzenstern“ (bei SOTern bestens bekannt) fuhr ich, wie mit John Lawton in Bochum verabredet, Richtung Innenstadt, um ihn in seinem Hotel zu treffen. Dort im Foyer war zu meiner Überraschung bereits die ganze Band versammelt, mit Ausnahme von Glenn Hughes. Monika und Ken Hensley kamen etwas später dazu.

Es war von Anfang an eine große Unruhe durch Medienvertreter vorhanden, die sich für “unsere“ Musiker sehr interessierten. Intensive persönliche Gespräche wie zuletzt in Bochum waren deshalb leider nicht möglich. Trotzdem war es interessant, einmal den privaten Unterhaltungen der Musiker und Manager zu folgen und diese netten Leute teilweise auch kennen zu lernen. Ich war als Mitglied dieser Tischrunde akzeptiert.

Allgemeine Hektik kam auf, als Glenn seinen Manager per Handy anrief, dass er am Flugplatz fest sitzt und wohl nicht kommen kann (Streik in Italien…). So zog ich es schweren Herzens vor, diese nette und interessante Runde vorzeitig zu verlassen, um nicht noch mehr Unruhe in diese unglückliche Situation zu bringen. Es wurde jetzt hektisch diskutiert, wie es mit dem Auftritt ohne Glenn weiter geht…
.
So verbrachte ich den weiteren Nachmittag damit, Hamburg zu Fuß zu erkunden (Schwerpunkt: Schallplattengeschäfte…;-). Als ich in meinem Hotelzimmer noch eine kleine Ruhepause einlegen wollte, klingelte zum ersten mal das Handy. Überraschender Weise hatten es Maggie und Chris vom LHS-Fanclub geschafft, nach Hamburg zu kommen. Eine Verbindung besteht hier bekanntlich durch John Lawton. Beide hören aber auch gerne Ken Hensley und Uriah Heep. Und ich wiederum die Les Humphries Singers. Verschiedene Musikstile müssen sich nicht zwangsläufig widersprechen. Ich brach also gleich auf, um die beiden endlich mal persönlich kennen zu lernen und über unsere Musik zu plaudern.

Weitere überraschende Bekannte und “neue Gesichter“ traf ich nach und nach im Laufe des Abends. Danke auch an alle, die mich dort einfach so angesprochen haben, so z. B. ein Mitglied unseres SOT- Forums, den ich noch nicht persönlich kannte. Es ist schön, auch in fremder Umgebung unter Gleichgesinnten zu sein. Das hatte schon beinahe den Charakter eines Familientreffens. Musik verbindet…;-))).

Der Einlass verzögerte sich um mehr als eine halbe Stunde. Die Band musste durch das Fehlen von Glenn Hughes vieles umarrangieren. Das war zusätzlicher Stress für die Akteure. Die wartenden Konzertbesucher waren aber sehr geduldig und blieben friedlich (ich habe es auch schon anders erlebt). Dann war es endlich so weit und die disziplinierte Menschentraube löste sich schnell auf.

Etwa gegen 21:40 betraten die Musiker die Bühne. Sie wurden mit lautem Jubel begrüßt und konnten bereits mit dem ersten Song der Ken Hensley Story voll begeistern. Kräftiger Applaus war die verdiente Belohnung. Ken Hensley war sichtlich gerührt. Selten habe ich Ken so herzlich lachen gesehen… Die Begeisterung setzte sich weiter fort, denn die gebotene Musik war hochklassig. Spielfreude und Klasse steigerten sich mit jedem Song. Das fachkundige Publikum wusste dies zu würdigen.

Es mögen vielleicht 500 Leute in der Fabrik gewesen sein, etwa die Hälfe davon geladene Gäste und Medienvertreter. Für einen normalen Dienstag Abend aber gut besucht.

Als John Lawton schließlich für seinen Gesangspart “It Won’t Last“ die Bühne betrat, war eine weitere Steigerung in der Stimmung zu spüren. Allein die Ausstrahlung dieses Mannes kann schon mitreißen. Sein Gesang war perfekt und wie gewohnt mit bluesigem Touch. Ganz toll gemacht. Und es ging immer weiter, Schlag auf Schlag. Unglaublich, was dort an hochklassiger Rockmusik von bedächtig bis heavy geboten wurde. Mit “The Last Dance“, ebenfalls ein Meisterwerk von Ken, gab es schließlich einen bombastischen Abschluss dieser musikalisch hochwertigen “Blood On The Highway-Story“, begleitet von einer kleinen Gruppe attraktiver Streicherinnen, die im Live-Klang leider etwas untergingen (hoffentlich auf der DVD besser zu hören).

Nun gab es eine verdiente Spielpause. Niemand ahnte, dass es danach noch eine weitere (unglaubliche) Steigerung geben würde… Mit einer sehr guten Heavy-Version von “Brown Eyed Boy“ begann ein Spektakel, das man auch als “Uriah Heep – The Very Best Of“ hätte bezeichnen können. Der Meister selber setzte die Akzente. Bereits bei diesem ersten Song (wurde der jemals live gespielt?) kam altes Uriah Heep-Feeling auf.
Unglaubliche Reaktionen aus dem Publikum erlebte man bei den ersten Orgeltönen zu “Circle Of Hands“, gespielt vom Meister persönlich. “…aaah… und …oooh…“ war von überall zu vernehmen, dann andächtige Stille. “Easy Livin’“ schließlich riss alle vom Hocker. Und der andere Meister, John Lawton, brachte eine “Free Me“- Version mit überraschendem Blues-Feeling.
Die Akteure hatten das Publikum längst auf ihrer Seite, da lösten die Anfangstöne von “July Morning“ erneut einen Begeisterungssturm aus. Als John dann anstelle von “July Morning“ sang “on a Hamburg evening“, gab es kein Halten mehr. Ein Tribut an seine Wahl-Heimat Hamburg, wo seine Karriere einst begann… Vielleicht auch seine Wiedergutmachung für den ebenfalls 2004 in Hamburg angekündigten Bühnenrücktritt?

Eve Gallagher und John Lawton sangen “Rain“ im Duett. John wie immer souverän. Eve kraftvoll und energiegeladen. Sie konnte bereits bei ihrem Gesangspart im ersten Teil überzeugen. Für meinen persönlichen Geschmack hätte bei diesem sanften Song allerdings besser ein zartes Stimmchen gepasst. Aber musikalisch trotzdem ein Genuss!

Es gab noch weitere tolle Heep- Songs zu hören. Es ging Schlag auf Schlag, Hit auf Hit. Ein Paradies für Uriah Heep- Fans. Und natürlich wurde am Schluss auch noch den reichlichen Zugaberufen Folge geleistet. So sang der Meister selbst die “Schwarze Lady…“. Alle anderen Akteure übernahmen hier die Backing- Parts. Zugegeben, diese extrem rhythmisch gestaltete Version hatte etwas von moderner Unterhaltungsmusik. Aber genau das wollte die Mehrheit der Anwesenden in diesem Moment hören. Wir “Fachleute“ sollten an dieser Stelle einfach mal beide Augen …äh… Ohren zudrücken, ok? Immerhin sang dies der Meister persönlich!

Aber immer noch gab das Publikum keine Ruhe. Die Akteure hatten bereits die Bühne verlassen, der Applaus wollte nicht enden. So kehrten sie zurück und wir kamen viel umjubelt in den besonderen Genuss von „Gypsy“.

Es war schon nach Mitternacht, als die Bühne endgültig dunkel wurde. Aber für die Musiker begann jetzt erst noch die Handarbeit. Ohne Übergang wurden nun Autogramme geschrieben, wobei ein John Lawton (ich kenne ihn nicht anders) keine Scheu hatte, sich den paketweise dargebotenen Schallplattenstapeln, Fotos und Postern zu stellen. Für alle hatte er ein nettes Wort. Woher nimmt er diese Energie? Ich stand zeitweise direkt daneben und bekam allein schon vom Zusehen Schreibkrämpfe…;-). Trotzdem “übersah“ er während dessen niemanden von uns SOTern in der Menge, was er jedem von uns sozusagen im Vorübergehen durch kurze Worte und nette Gesten zeigte. Von Ken leider keine Spur… Ich vermute, dass er lieber backstage Autogramme verteilte.

Ich stand noch lange dort mit SOTern und Freunden. Auch mit vielen, die ich vorher gar nicht kannte und bekannten Gesichtern aus der regionalen Musik-Szene. Das ist Hamburg…

Was Ken Hensley betrifft, war dies mein bisher bestes Live-Erlebnis. So gelöst und musikalisch in Form habe ich ihn auch mit der Hensley-Lawton-Band oder etwa beim SOT- Meeting 2006 in Homburg mit der hochklassigen Uriah Heep- Coverband Circle Of Hands noch nicht erlebt. Er war in so guter Verfassung, dass er manchmal regelrecht über die Bühne “hüpfte“. Und Ken genoss jede Art von Anerkennung sichtlich…

Fazit: wir erlebten in Hamburg das große Werk eines großen Meisters. Ken Hensley hat seine Klasse bewiesen. Ich wünsche ihm viel Erfolg für “Blood On The Highway“ Sollte er damit auf Tour gehen – Ich bin dabei!

John Lawton wird mit jedem Auftritt ausgereifter. Seine Stimme hat in letzter Zeit einen herrlichen Blues bekommen. Sein Abschied 2004 ist ab sofort vollendete Vergangenheit, “John Lawton is back…!“. JOHN, ziehe bitte weiter deinen eigenen Stil durch. Dann bist du der Größte! – Ich “überprüfe“ das dann im Oktober beim sHeep- Market, ok?

Jorn Lande war für mich eine tolle Entdeckung. Eine kraftvolle Stimme zwischen Purple und Heep. Er sang seine Parts kraftvoll und gut.
Mit Eve Gallagher erlebte Hamburg eine Sängerin mit enormer Stimme und Ausstrahlung. Nicht immer passend zu Hensley/ Heep, aber gesanglich hochklassig.
Ein besonderes Lob auch an die übrige Band – alles stimmte an diesem Abend. Ihr wart großartig!

Ken, this was a very great work! – Well Done !!!

Heep On!
Ralf Schünemann

Fotos gibt’s >> HIER

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s