URIAH HEEP – Tournee-Ende in der Schweiz (Bericht von Alex Burlet)

Im letzten Dezember hatte ich wieder einmal die Gelegenheit Uriah Heep auf der Bühne zu erleben. Der Abschluss ihrer Deutschland-(Acoustic-)Tour fand nämlich in Pratteln in der Nähe von Basel statt. Das Z7 ist bekannt für gute Rock- und Heavy-Metal-Konzerte und so war klar, dass die Jungs hier nicht unplugged spielen, sondern nochmals richtig abrocken würden. Ich hatte zu meinem 40. Geburtstag eine Einladung erhalten und freute mich nach 3 Jahren Live-Abstinenz wieder mal an ein Konzert zu gehen. Heep sah ich zum 4. Mal, doch so gut waren sie noch nie! Bernie ging viel mehr als früher in Kontakt mit dem Publikum. Und so sangen die etwa 800 Zuschauer nicht nur lauthals „Free Me“,  sondern auch bei anderen Stücken wie z.B. „When The War Is Over“ animierte uns der Blondschopf mitzusingen. Weitere gute Stücke aus der neoklassischen Zeit im abwechslungsreichen Programm waren „The Other Side Of Midnight“ oder der Opener „Blood Red Roses“. 

Ich fragte mich, ob die Band früher auch mit solchem Einsatz und perfektem Spiel begeistert hat. Uriah Heep wurden in den frühen Siebziger-Jahren in Erfolgs-Dimensionen katapultiert, dass es eigentlich nur schlechter werden konnte.. Auf der LIVE FROM THE BYRON-ERA sieht man deutliche Unterschiede zwischen 1973 und 1975. Ich kann mir vorstellen, dass es später mit John Lawton wieder besser wurde. Und auf der GYPSY-DVD erinnert mich Peter Goalby einfach irgendwie an Goofy. Gleichwohl finde ich die damals gemachte Musik einen wichtigen Schritt zurück in Richtung Hardrock-Band und zudem möchte ich Herrn Goalby gar nicht schlecht machen. Aber für mich sind Uriah Heep eben die jetzigen 5 Musiker, die ihren Job jedes Jahr noch besser machen! Auch wenn die längst überfällige neue CD noch immer nicht gemacht ist, tragen sie das Erbe der einstmaligen Superband in Würde und ohne dabei zur Karikatur zu werden.

Im Gegensatz zu früher ist Mick Box jetzt die zentrale, Charisma ausstrahlende Person. Er setzt sich aber meist bescheiden in den Hintergrund und die Gruppe zeigt eine von allen getragene Präsenz. Dazu wird die Set-List immer wieder neu zusammengestellt, wie diesmal beispielsweise mit „So tired“ oder „If I had the time“. Und Bernie ist stimmlich am besten in der Lage, das schwierige Erbe von David Byron anzutreten. Klar, er ist ein ganz anderer Frontmann als John Lawton. Habe das gut vergleichen können, als damals Uriah Heep und die Hensley-Lawton-Band innerhalb von 3 Wochen im Z7 aufgetreten waren.

Es ist schon seltsam, dass mich die Band heute so fasziniert, denn früher war der Funke nie richtig rüber gesprungen. Meine erste und einzige Heep-LP kaufte ich nur wegen dem Rock’n’Roll-Medley, da ich meine ersten Musik-Erfahrungen vor allem mit Elvis, Bill Haley & Co. gemacht habe. Zudem gefiel mir der Rest der LIVE-Doppel-LP damals nicht besonders. Nur „Gypsy“ blieb noch einigermaßen hängen.

In den Achtziger Jahren konnte ich viele Top Acts im Zürcher Hallenstadions live bewundern, was den Musikgeschmack und die CD-Sammlung natürlich beeinflusste.. Queen, die wieder vereinigten Deep Purple , Dire Straits, Supertramp oder SAGA füllten damals das Stadion mit über 10’000 Zuschauern. Doch von Uriah Heep kann ich nur ein nicht benutztes Ticket zu einem Konzert in der Provinz vermelden. Irgendwie kam was dazwischen, sonst hätte ich vielleicht von Herrn Goalby einen anderen Eindruck…

Und so dauerte es nochmals 10 Jahre bis ich zufällig eine Uriah-Heep CD kaufte. Es war die schwarze STILL ‚EAVY – STILL PROUD. Und da blieb erstens ein anders klingendes „Lady in Black“ und zweitens das Intro von „July Morning“ im Ohr hängen. Und so begann ich mich langsam genauer mit dieser Band zu befassen.

Im Internet war es mir dann möglich, mehr Informationen zu finden und CD-Rezensionen zu lesen. So kaufte ich eine Scheibe nach der anderen und bin bis heute von keiner wirklich enttäuscht worden. Natürlich waren da auch schwächere Produktionen, doch die gab es in allen Besetzungen. Und auch die Mitgliedschaft bei Stay on Top führte dazu, das heute Uriah Heep meine absolute Lieblingsgruppe ist.

Aber das soll nicht heißen, dass ich nicht auch anderes höre. Auf meinem iPod sind über 300 CDs gespeichert, die mir auf meinem sehr langen Arbeitsweg unverzichtbare Begleiter geworden sind. Ich höre aus einem Spektrum von Pop über Hardrock bis Progressive. So kann an einem Tag das Programm wie folgt aussehen: PROMISED LAND (Queensrÿche), Ken’s PROUD WORDS… und dann noch PURPENDICULAR von Deep Purple. Um am nächsten Morgen geht es mit Alan Parsons‘ PYRAMID weiter. Meine schwarz-rote Mini-Jukebox (U2 Special Edition mit 20gb Speicherkapazität) hat noch genug Platz, obwohl ich sie jeden Monat mit ein paar neuen Titeln füttere. Meine letzten Anschaffungen waren TURN IT ON AGAIN, eine Kompilation von Genesis’ Achtziger-Hits, WARSZAWA ein Live-Mitschnitt von Porcupine Tree und die neuen Alben von Manfred Mann’s Earth Band (2006) und Saga (NETWORK).

Übrigens habe ich zum Geburtstag noch einen weiteren Konzert-Gutschein bekommen, den ich im Juni 2005 für Iron Maiden Open Air einlösen werde. Ob die auch mit so viel Einsatz zur Sache gehen werden wie Uriah Heep?

Alex Burlet, 2005