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Rezensionen

Official Bootleg Vol.4–Live in Brisbane , Australia 2011–eine Rezension des Magazins www.Rocktimes.de

Die Reise geht weiter…
Nun stehen schon drei Alben aus dieser Reihe bei mir im Regal, dazu noch der soundmäßig leider grottenschlechte Live-Mitschnitt aus Krefeld und nicht zu vergessen noch eine stattliche Anzahl regulärer Erscheinungen aus dem Hause Box, Shaw und Co. Unter den ersten fünf jemals von mir gekauften LPs waren auch Salisbury und “Very ‘eavy, Very ‘umble”, die beiden ersten Longplayer, damals ……………..hier geht es weiter ……….


FOCUS – Hannover, Blues Garage, 12. Februar 2011 – eine Rezension von Thomas Schaumburg

Schon seit einigen Jahren habe ich eine Best-Of Focus in meiner Sammlung und vor einigen Monaten kamen noch zwei Studioalben hinzu. Einen ersten Song der Band kenne ich bereits seit meiner Abi-Zeit. Damals lief die Livefassung von „Hocus Pocus“ öfters in der Teestube der Schule, quasi als Katalysator für das Ungestüm mancher Abiturientenkollegen in der Zeit von Pershings und atomarer Bedrohung. Anfang des neuen Jahrtausends hatten sich Focus nach der vorangegangenen Auflösung in den Achtziger Jahren wieder zusammengefunden, allerdings ohne den wichtigen Gitarristen Jan Akkerman. Die wiederbelebte Formation hatte mich bisher weniger interessiert, wie das ja meist der Fall ist, wenn die erfolgreiche Besetzung nicht mehr zusammen kommt oder man die Band erst später entdeckt. Irgendwie denkt der Hörer landläufig, ohne Originalmitglieder sei das nix mehr. Obwohl wir genügend Bands kennen, wo das nicht der Fall ist. Letztes Jahr auf dem Burg Herzberg Festival sah ich dann FOCUS zum ersten Mal auf der Bühne. Und was soll ich sagen, wie bei manch anderer „alten“ Band waren die super drauf und haben ein tolles Konzert gespielt. Der Höhepunkt obendrein war für mich natürlich, dass Meister Thijs Van Leer gar nichts anderes als eine originale Hammond mit Lesliekabinett auf der Bühne hatte. Man kann diesen Sound einfach nicht mit anderen Mitteln ersetzen! Die ganze Performance kam so gut rüber, dass für mich feststand, dass ich mir das unbedingt nochmal „in Ruhe“ auf einer Hallenbühne ansehen mußte. Und dieses Jahr war es nun schon so weit, im Newsletter der Bluesgarage Hannover-Isernhagen, wo immer gute Acts auftreten, wurden FOCUS angekündigt. Also nix wie hin! Der Winter war soweit vorbei, aber genau am Tag des Ereignisses setzte wieder starker Schneefall ein und auf der A 7 Richtung Hannover wurden Staus gemeldet. Aber geplant, getan, das Hotel war auch gebucht – ohne Stornomöglichkeit. Nach gut dreieinhalb Stunden war der Weg dann geschafft, der Weg mußte letztlich direkt zum Club genommen werden. Vorher blieb keine Zeit mehr, um noch zum Hotel zu fahren. Als wir am Club ankamen, begann auch noch ein Eisregen und wir mussten anschließend ja noch das Hotel suchen. Na ja. Aber irgendwie war ich doch sehr froh, dass wir gefahren waren. In der Blues Garage war es ziemlich kalt, zu Essen gab es nur eine Kleinigkeit. Es war gefüllt, aber nicht voll, aber offenbar alles erwartungsvolle Fans der Band aus alten Tagen, aber auch Nachwuchs. Auf der Bühne stand wieder die Hammond, ein total verschrammtes und mit Klebeband zusammengehaltenes Teil. Das Schlagzeug von Originaldrummer Pierre Van Der Linden hatte zumindest an der Bassdrum auch schon Totalschaden erlitten. Das weitere Equipment bestand nur noch aus der Bassverstärkeranlage und einem Edel-Gitarrenamp. Also alles völlig spartanisch wie in den frühen siebziger Jahren. Wenn man beispielsweise das legendäre Colosseum Livealbum kennt, den vollen Sound und was da abgeht und sich dann mal die Bühnenfotos dazu anschaut – da stehen sechs Mann relativ eng auf einer völlig spartanischen Hallenbühne – das ist dasselbe Verhältnis. Und dann ging es auch schon los. Die Bandmitglieder kamen vermummt aus der Kälte rein, schnappten sich – immer noch in dicken Jacken und mit Tüchern zugebunden – die Instrumente. Ohne irgendwelches Vorgeplänkel ging es gleich in die Vollen mit der Nummer „Focus III“ – einer meiner Favoriten. Aller Anfahrtstress war nun völlig dem freudigem Erleben gewichen. Purer Hammondklang durchdringt den Raum, trägt den Gesamtsound und füllt dazu den Hintergrund bis in die Tiefen voll aus. Man meint, es müssten noch irgendwo die Streicher sitzen. Und doch sind nur vier Mann auf der Bühne. Das macht die Hammond aus ! Die Musik von FOCUS ist eine einzigartige Kombination oder besser Verschmelzung aus Rock, Klassik und Jazz. Eine sagenhafte Filigranität wohnt ihr inne. Jeder Ton wird zelebriert. Die Gitarre trägt die Melodiebögen fast zerbrechlich zart von einer Harmonie zur nächsten. Dann und wann brandet es allerdings auf und von Schlagzeug und Bass getrieben schwillt der Sound dynamisch an, bricht zuweilen förmlich los. Dann rockt auch die Gitarre voll ab. Der Gitarrist legt eine sehr große Dynamik ins Spiel. Die aktuelle Setlist umfasst neben einigen Klassikern auch Titel aus den verschiedenen Abschnitten der neueren Bandgeschichte, die den Klassikern aber kaum nachstehen Eine Band, die vergleichbare Musik macht, kann ich gar nicht nennen. Focus haben einfach einen eigenen Stil. Klangbestimmend im Sound ist neben der meist mehr jazzigen Gitarre die Hammondorgel (was für mich immens wichtig ist). Gesang kommt weniger vor, und wenn meist in Form von teils sakral anklingenden Backgroundchören. Auf der Bühne werden diese von Thijs Van Leer per Effekten mit zwei Mikros erzeugt. Auch mal was anderes. Gitarrist Menno Gootjes ist, wie wir dann erfahren, erst ganz frisch zur Band gestoßen, ist also nicht der Gitarrist, den wir noch auf dem Herzberg hörten. Aber es wird sofort klar, dass dieser noch relativ junge Musiker (35) ein Ausnahmetalent ist. Wie locker er das ganze Set spielt und was er dabei an Virtuosität und auch verborgener Power aufblitzen lässt, deuten darauf hin. Entsprechend wird er dann auch von Bandleader Thijs Van Leer als bereits zu Lebzeiten als legendär geltender Gitarrist vorgestellt. Wie Frau Leer am CD-Stand erzählt, handelt es sich bei Menno um den Lehrer seines Vorgängers in der Band. Er hat u.a. auch schon CDs mit Metalbands aufgenommen, was ja nun eine völlig andere Welt ist. Thijs Van Leer ist der Kopf der Band, schon immer gewesen, in den Siebzigern noch unterstützt von Gitarrist Jan Akkerman. Seit der Reunion Ende der Neunziger ist der langjährige Drummer Pierre Van der Linden wieder dabei und neu Bassist Bobby Jacobs, der auch Songs beisteuert. Bei der Reunion war Gitarrist Jan Dumee dabei, der dann später mit John Lawton das „On The Rocks“ Projekt startete. Diesem folgte Niels van der Steenhoven und jetzt der neue Mann. Am 21. März ging die neue Band ins Studio, um das neue Album „Focus 10“ aufzunehmen. Es wird bestimmt eine tolle Scheibe !

Thomas Schaumburg


Sonic Origami ( 1998 ) – eine Rezension von Thomas Friesenhagen

Eines vorweg.

Das Album ist besser als das meines Erachtens nichtssagende Artwork !

Musikalisch ist dieses Album sehr breit gefächert, wobei allerdings das  seichte Ende dieses Bereichs mehr als fragwürdig für eine 70er Jahre Rocklegende ist.

Im Durchschnitt bewegt sich dies Album im Bereich eingängigen Poprocks.

Between two worlds
ist ein proggiger, melodischer, mystischer Rocksong.
Der Opener ist eines der ganz großen Highlights dieses Albums.

I hear voices
setzt den Trend des ersten Titels fort.
Eine Rocknummer mit Biß. Irgendwie erinnert mich das Gitarrenriff an Deep Purple. begründen kann ich das allerdings jetzt nicht genau.

Perfect Little Heart
ist eindeutig Poprock. Musik, die den Interpreten nicht bestimmen lässt. Austauschbar.

Heartless Land
betritt mit Accoustikguitar und  sanftem E- Piano seichteste Gewässer.  Eine Ballade mit Wurzeln in der Popmusik. Musik ohne Ecke und Kante. Niemand tut sich dabei weh.

Only the young
ist eine sehr melodische Poprocknummer. Der Song hat Klasse.

In the moment
setzt diesen Trend fort

Question
ist die Rockballade auf diesem Album. Herrliche  Harmonien. der Song mündet in……

…….Change
überzeugt mit Satzgesang und aussergewöhnlich schöner Melodie.

Shelter from the rain
empfinde ich als ein weiteres Highlight dieses Albums
Uriah Heep goes Bluesrock. Herrlich !

Everything in life
ist ein schneller  Rocker, ganz typisch für Uriah Heep. Klasse Song !

Across the miles
ist der ganz große Ausrutscher dieses Albums. Eine englischsprachige Schlagerschnulze. Durchaus gut, aber für mich in keiner Weise mit dem Image und der Musik der Band vereinbar.

Feels like
bietet wieder  melodischen  Rock mit Chorgesang.

The golden palace
wäre die ganz große Hymne dieses Albums, wenn da nicht dieser seltsame Refrain wäre.
Der Song hat teilweise große Klasse, begibt sich aber immer wieder in eine Refrain, der meines Erachtens nicht zum Rest des Titels passt.

Sweet pretender
Bietet dem Hörer als Abschluß einen Klasse Rocker aus der Feder von Trevor Bolder.

Fazit:
Sonic Origami bietet dem Hörer ein breites Spektrum an Musik.  Dieses Spektrum empfinde ich aber sehr seltsam gewählt.
Das Konzept dieses Albums drückt seine Unschlüssigkeit bereits im Design des Coverartworks aus.


Uriah Heep – Into the wild ( Eine Rezension von Jürgen Hövelmann )

Hatten sich die Heeps längst schon in den frühen Siebzigern einen Platz im Rock-Olymp erobert, gefiel der Stilwechsel in den späten 70ern vielen Fans schon nicht mehr und es war bei den Briten in den 80ern der Punkt erreicht, wo sich zahllose treue Zuhörer endgültig von der Band abwandten. Zu anders klangen die damaligen Outputs im Vergleich zu den früheren Höhenflügen wie etwa Demons & Wizards oder Look At Yourself. Erst ab dem hervorragenden 95er-Werk “Sea Of Light” fand man nach und nach etwas auf die Erfolgsspur zurück, klang man wieder etwas mehr nach jener Musik, die UH in den Jahren 1971/73 so groß gemacht hatte. Dennoch waren auch die Werke ab “Sea Of Light” jeweils “nur gut”, man freute sich auf die alljährlichen Tourneen der alten Heroes, denn Live war die Band immer noch eine Bank für überragende Konzerterlebnisse.

Das neue Album “Into The Wild” schlägt nun hingegen wie eine Bombe in die heepsche Fanwelt ein, ein Album das eine regelrechte Euphoriewelle auslöst bis hin zu (wenn es auch etwas pathetisch klingt) Jubelgesängen und Freudentränen. Man schaue sich einmal auf den diversen Fanseiten um, wie sehr das neueste Heep-Werk bei den Fans einschlägt. Auch gibt es ausnahmslos positive bis euphorische Rezensionen in den zahlreichen Fachgazetten zu bestaunen. Was ist geschehen?? Ist die neue Heep-Scheibe tatsächlich so gut und wenn ja warum?

Kurz gesagt: Bei Into The Wild handelt es sich um definitiv die beste Heep-Platte seit dem legendären Sweet-Freedom-Album von 1973, der wohl anerkannt letzten wirklich großen Scheibe der britischen Hardrock-Institution. Hatte man zuletzt immer allenfalls gute Ansätze des typischen Heep-Sounds gehört, ist INTO THE WILD genau jene CD, auf die Heep-Fans seit mehr als drei Jahrzehnten sehnsüchtig warteten. Alle Heep-Markenzeichen wie der geniale mehrstimmige Gesang, Mick Box’ typisches Gitarrenspiel und allen voran ein Hammond-Sound bzw. Hammond-Spiel, wie es seit ewigen Zeit weder Heep noch irgendeine andere Band hat hören lassen, sind eben nicht nur andeutungsweise sondern geradezu im Überfluss vorhanden. Dazu bilden Trevor Bolder (Bass) und der begnadete Drummer Russell Gilbrook die derzeit sicherlich beste Rock-Rhythmusgruppe der Welt, was aufgrund der hervorragenden Produktion von Mike Paxman (u.a. Status Quo, Asia) auch jederzeit hörbar ist. Heep haben wohl noch nie so gut geklungen wie auf dieser Scheibe. Man könnte meinen, mitten zwischen den Jungs im Aufnahmeraum zu stehen, so druckvoll aber auch transparent ist die Produktion geworden.

Die wichtigste Grundlage für diese perfekte Scheibe ist aber natürlich eines: Egal welche kreativen Prozesse dazu geführt haben, welcher Jungbrunnen hierfür ausgeschöpft wurde, Uriah Heep haben auf INTO THE WILD 11 absolute Granaten-Songs aufgelegt. Da kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf, es wird durchgängig allerhöchstes Niveau (sowohl spieltechnisch als auch kompositorisch) geboten.

Das schönste an INTO THE WILD ist die Art und Weise wie einem die Musik dargeboten wird. Die Leichtigkeit mit der Heep hier auch komplizierteste Songpassagen zu Gehör bringen, ist einfach ansteckend. Es ist, als hätte man im Vertrauen auf die eigene musikalische und kompositorische Stärke im Studio einfach augenzwinkernd drauflosgespielt (tatsächlich hat man nur drei Wochen im Studio gebraucht), das Ergebnis ist an Vitalität, Spontanität und überbordender Spielfreude einfach nicht zu überbieten. Wenn ich könnte, würde ich für das Album sechs Sterne vergeben und hätte immer noch das Gefühl, damit untertrieben zu haben. Endlich haben es Heep geschafft, die herausragende Qualität ihrer Live-Shows, einfach die Freude an dem was man tut, auch in ein Studio-Werk adäquat rüberzubringen.

Der vergleichsweise einfach gestrickte, dafür aber umso effektivere Opener “NAIL ON THE HEAD” macht einen überzeugenden Anfang, ist aber nur eine Andeutung dessen, was einen im Verlauf des Album noch alles an absoluten Hightlights erwartet.

Track 2 “I CAN SEE YOU” gibt erstmals richtig Gas, ein Stück mit galoppierendem Rhythmus und ansteckendem Refrain, bleibt einem schon beim ersten Hören sofort in den Gehörgängen. Schon diese ersten beiden Songs wären in den 70ern sichere Top-10-Kandidaten gewesen. Wie schon erwähnt: Spielfreude pur.

Der Titelsong “INTO THE WILD” geht ab wie eine Rakete und klingt etwa so wie Deep Purple seit Jahrzehnten gerne klingen würden. Ein aber durchaus eigenständiger, schneller Kracher, sicherlich mit das Beste, was Heep in dieser Hinsicht jemals produziert haben.

“MONEY TALK” kommt mit weniger Tempo aus, besticht aber mit sehr ausgefeilten, teils fast Rush-Mäßig “schrägen” Läufen. Man höre sich mal genauer Bass und Schlagzeug bzw. deren Zusammenspiel an. Gleiches gilt für das Zusammenspiel zwischen Hammond und Gitarre.

Mit “I’M READY” gleich der nächste Knaller. Wer solche Songs schreibt, ist über jeden Zweifel erhaben. Heep im Zenith ihres Könnens. Ohne weiteres Radio-tauglich, aber dennoch purer Hard’n'Heavy-Rock vom Feinsten.

“TRAIL OF DIAMONDS” ist der erste Long-Song auf dem Album, besteht aus drei recht unterschiedlichen Teilen (wie seinerzeit auch bei July Morning der Fall) und sorgt schon durch den Umstand für Begeisterung, dass dieser ohne weiteres auf einer LP wie Demons and Wizards oder Salisbury hätte Eingang finden können.

“SOUTHERN STAR” ist bereits der dritte Heep-Songs innerhalb kurzer Zeit mit nautischem Thema. Phil Lanzon, der als Songwriter (aber auch von seinem tollen Orgelspiel her) spätestens mit dieser CD Heeps ehemaligen Mastermind Ken Hensley vergessen läßt, erzählt die Geschichte des mittelalterlichen Seefahrers, den es immer wieder aufs Meer hinauszieht, mit Bravur. Einer der eingängigsten Songs der Platte.

“BELIEVE” ist ein weiterer Höhepunkt von Into The Wild. Was soll ich noch schreiben? Diese CD läßt einen nicht einmal für Sekunden aus seinem Bann. Auch Believe ist absolut singletauglich, bietet gleichzeitig aber auch Hard Rock vom Feinsten. Bernie Shaws Gesang ist, wie auf dem gesamten Werk, nicht zu toppen.

“LOST” entführt einen mit seinen eher orientalisch anmutenden Melodiebögen und Läufen in eine andere Welt. Bassist Trevor Bolder, der den Song geschrieben hat, wartet mit überzeugenden Lead Vocals auf. Die Melodien und Licks sind mitunter so filigran und kunstvoll, das selbst Rainbows grandioses “Gates Of Babylon” im Vergleich fast wie das Werk einer Schülerband klingt.

“T-BIRD ANGEL” gefällt vor allem durch seinen Refrain, der gleich beim ersten Hören im Gedächtnis bleibt. Tolle Gitarrensoli von Bandgründer Mick Box.

Zum letzten Song “KISS OF FREEDOM” ließe sich lange referieren. Kurz und bündig: Es handelt sich um eine der besten Balladen, die jemals unter dem Namen Uriah Heep erschienen sind. Eine weitere Lanzon-Komposition, aber diese kommt schon einer Hymne gleich.

Fazit: Wer sich dieses Meisterwerk entgehen läßt, verzichtet damit wohl auf DAS Rock-Album 2011. Besser geht es nicht. Uriah Heep sind endlich aus dem eigenen langen Schatten herausgetreten und machen Musik wie zu ihren allerbesten Zeiten Anfang der Siebziger.


Uriah Heep – Into the wild (Eine Rezension von Thomas Friesenhagen)

Into the wild übertrifft meine kühnsten Erwartungen.

Nachdem sich die
ständig tourende Band Uriah Heep studiomäßig nach 10 Jahren Pause 2008 mit Wake
the sleeper zurückmeldete, war die Begeisterung bereits groß.

Auf jenem Album stand deutlich Mick Box mit seiner Gitarre im Vordergrund.

Betrachtet man WTS als ungeschliffenen Diamanten, darf man das nun erschienene Album als fein geschliffenen und polierten Diamanten ansehen.

Das Album besteht aus 11 griffigen Songs mit durchaus markanten Melodien und Wiedererkennungswert.

Der Soundmix ist diesmal sehr ausgewogen. Ich habe mir das Album auf 2 verschiedenen Heimanlagen, am PC sowie im Auto angehört
und höre keinerlei Mängel heraus. Drums, Bass, Keys, Gitarre, Gesang. Alles an seinem richtigen Platz !!!!

Nail on the head
Der erste Song beginnt
mit einem einfachen, aber Mick Box- typischen Gitarrenriff, baut sich dann aber durchaus zu einem guten Opener für dieses Album auf.
Allerdings weist dieser Song noch nicht unbedingt auf das Kaliber an Songs hin, die ihm folgen.

I can see you
Dieser Song erinnert durchaus an den Heep Klassiker " so tired" , klingt aber leichter, schneller und hat trotzdem hohe Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert. Hier ist bereits enormer "drive" vorhanden.

Into the wild
Spätestens bei diesem Titel steht das ganze Heepfan- Herz in lodernden Flammen. Was für eine Nummer !
Der Song beginnt mit einem leisen, mystischen Hammondintro, dann schiebt sich die ganze Band mitsamt den typischen Chören äusserst druckvoll ins Geschehen. Into the wild ist äusserst heavy, melodisch und markant geprägt vom Chorgesang. Gänsehaut !!!!

Money talk
ist ein gefälliger Rocksong mittleren Tempos, auch recht heavy und durchaus eingängig. Heavygitarre und "rotzende" Hammond.

I’m ready
zieht das Tempo wieder leicht an, rollt vom Bass her getragen und überzeugt mit eingängigen Melodien

Trail of diamonds
Dieser Song hat ein Kaliber, daß ich von Heep niemals mehr erwartet hätte. Es ist DIE HYMNE des Albums.
Ich dachte zuerst, ich habe die falsche CD, die falsche Band eingelegt.
Der Song beginnt mit einem sanften Gesangspart, getragen von Hammond und clean Guitar.
Der song hat mehrere dynamisch wechselnde Parts und weist typische Heep Trademarks auf, aber auch völlig neue Ideen, die man von
Heep vielleicht noch nie gehört hat und durchaus progressiv einzustufen sind.
Der Titel hat durchaus ein Kaliber wie Led Zeppelin’s " Stairway to heaven" und hält auch dem hauseigenen " July morning " stand.
Das Arrangement ist sehr geschickt ausgeklügelt und filigran.

Von so einer Hymne haben Heep – Fans Jahrzehnte geträumt .
Mich haut der Titel bei jedem Hören um
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!.

Southern star
ist fast sowas wie eine Ballade, sehr eingängig, singletauglich und auch typisch Heep.

Believe
zieht das Tempo abermals an. Wah wah Gitarre ! eingängige Melodie, ebenfalls singletauglich.

Lost
ist der einzigste Trevor Bolder – Song auf diesem Album. Den Hörproben hatte ich bereits die Vermutung entnommen, daß dieser Titel von Trevor ist. Bingo Hier singt nicht Bernie Shaw. Ich möchte wetten, Trevor Bolder singt seinen Song selbst.
Der Song ist heavy, leicht melancholisch vielleicht, hat ähnliche Atmosphäre wie Deep Purple’s Perfect
Strangers. Absolut ein weiteres Highlight auf ITW.

T-Bird Angel
ist ein leichter, melodischer Song. Singlepotential ! Herrliche Melodie !

Kiss of freedom
Den Abschluß dieses Meisterwerkes bildet eine weitere Hymne. Kiss of freedom ist ein Ohrwurm der Spitzenklasse.
Hört man den Song einmal, bleibt er im Ohr. Abgerundet wird er durch ein langes Hammond- Solo von Phil.

Insgesamt hat man ein ausgefuchst arrangiertes melodisches Rockalbum auf den Markt gebracht, weitestgehend darauf geachtet alte
Elemente aus dem eigenen Haus NICHT zu kopieren.

Zum Artwork:
Das von Ioannis gestaltete Cover ist als schickes Digipack ausgearbeitet. Genauso, wie wir es bereits von den Official Bootlegs kennen, allerdings zusätzlich mit Booklet, daß alle Songtexte beinhaltet.

Fazit:
Dieses Album bietet durchaus neue Töne aus dem Hause Heep, aber auch alle Heep- Trademarks.
ITW ist ein in diese Zeit passendes Alters- Meisterwerk einer pulsierenden, wahrhaftig lebendigen Rocklegende, die sich keinen Augenblick auf ihren Lorbeeren ausruht und sicherlich die meisten ihrer Fans mit einem niemals zu erwartenden meisterlichen neuen Studioalbum aus dem Sessel haut.


Uriah Heep – Into the wild (Eine Rezension von Uwe Reuters)

Am 15.04.2011 war sie endlich im Handel erhältlich, das nicht nur von mir langerwartete neue URIAH HEEP Studioalbum "Into The Wild". Um es auf den Punkt zu bringen:

"Die alten Herren können es immer noch!"
Und wie! Die 12 Songs erreichen fast alle Höchstniveau. Vergessen sind die kommerziellen Schnarchsongs von "Sonic Origami" von 1998 und das Erholungs- und Zwitteralbum "Wake The Sleeper" von 2008………….

Die ganze Rezension ist hier nachzulesen: http://ohrenbalsam.blogspot.com/2011/04/uriah-heep-into-wild-cd-2011.html


Moving To The Moon – Mark Clarke (2010)

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Bassist und Sänger Mark Clarke hat sein erstes Soloalbum veröffentlicht ! Hauptamtlich bei Colosseum als Bassist, in den Jahren nach deren Auflösung 1971 und vor der Reunion 1994 spielte und sang er u.a. bei Tempest, Natural Gas, Mountain und Billy Squier. Und wirkte vier Monate bei Uriah Heep mit, wo er „The Wizard“ mit Ken Hensley schrieb und auf der tollen Aufnahme mit Bass-Solo des Songs „Why“ zu hören ist. Inzwischen ist auch endlich ein Livetape aufgetaucht, auf dem er mit Heep zu hören ist.

Außerdem wirkte Mark Clarke bei den beiden Ken Hensley Solo-Alben „Eager To Please“ (1975) und „Free Spirit“ (1981) mit. Auf ersterem sind zwei seiner Songs zu hören(„Stargazer“ und „In The Morning“), von denen er “In The Morning” auch selbst singt.
Natürlich ist man immer etwas skeptisch, wenn ein Musiker, der sonst nicht im Mittelpunkt steht, etwas auf eigene Faust macht. Bei Mark Clarke warte ich aber schon lange auf so etwas, weil mir seine Stimme schon immer sehr gut gefallen hat. Und leider kommt er anderweitig selten als Leadsänger zum Einsatz. Auf den letzten beiden Studioalben von Colosseum singt er jeweils einen Song und live hat er einige Parts, wo er gut zu hören ist.

Nun also eine ganze CD mit eigenem Gesang und eigenen Songs. Unterstützt wurde er dabei von dem Gitarristen Roy De Tone, mit dem zusammen er die Scheibe auch produziert hat und mehreren Studioschlagzeugern. Den Rest spielt er selbst. Also keine Ansammlung von bekannten Gastmusikern, wie das ja bei solchen Gelegenheiten oft der Fall ist.

Etwas Hilfe hätten sie sich vielleicht bei der Produktion gebrauchen können. Der Sound ist auf jeden Fall gut, klingt aber zumindest beim Hören mit Kopfhörer etwas gedrückt. Sprich man hätte hier noch mehr rausholen können. Dies trifft auch für die schöne Stimme zu, die noch besser zur Entfaltung kommen könnte. Aber gut, die meisten Nicht-Musiker-Hörer werden so etwas nicht bemerken.

Beim ersten Hineinhören online erschien mir die Musik eher belanglos und beliebig. Eine progressive Scheibe, die an Tempest, Colosseum oder Heep anschließt, ist es dann doch nicht geworden. Aber natürlich mußte sie trotzdem her, denn wie gesagt, ist ein solches Album ist ein Muß für den Fan.

Und siehe da, es ist gar nicht so schlecht, sprich, einige Songs finde ich richtig gut. Sie schließen teils an die Qualität der Songs, die Mark Clarke früher bei Tempest und Ken Hensley beisteuerte, durchaus an. Bei dreien handelt es sich um poporientiertere Songs, mal mit Akustikgitarre oder Streichersounds. Die könnten durchaus im Radio laufen. Einer davon ist soundmäßig eher ein 80/90er- Jahre-Überbleibsel. Vermutlich wurden hier ja auch Songideen aus den letzten zwanzig bis dreißig Jahren verarbeitet. Wichtig ist, dass alles eigenständig klingt und nicht wie schon mal gehört. Und es ist alles aktuell eingespielt.

Der Titelsong ist eine rockige Abgehnummer. Die anderen Tracks sind mehr oder weniger rockig oder Rockballaden, die zum Teil interessante Harmonien und Melodien enthalten und sämtlich umfangreich arrangiert sind mit Klavier, Akustikgitarre, Slidegitarre, sogar Banjo.

Zwei sind stellenweise sicher von „Who’s Next“ (!) inspiriert und eine Ballade könnte auf Ken Hensley „Eager To Please“ passen.

Mark’s Kompagnon und Gitarrist Roy De Tone, der auch Songs mitverfasst hat (welche, ist mangels Kennzeichnung nicht zu entnehmen) steuert auch immer wieder tolle Gitarrenparts und interessante Gitarrensounds bei.

Das Booklet der CD ist leider sehr sparsam gehalten. Außen spartanisch und auf der Innenseite etwas kitschig überladen. Die vielen Zeitungsartikel und Fotos im Hintergrund hätte man sich größer und lesbar auf mehreren Seiten gewünscht.

Thomas Schaumburg, März 2011


Uriah Heep – Wake the sleeper – (Rezension von Axel Burlet)

Nach einigen intensiven Hörgängen hier meine Beurteilung. Wie immer lässt sich über Geschmack nicht streiten…
1 Wake The Sleeper

Cover of

Cover of Wake the Sleeper

Ich werde sofort von Tempo und Art an frühere Klassiker wie “Easy Livin” oder die Einleitung von “Sunrise” erinnert und so ist das Titelstück für mich eine kleine Manifestation der klassischen Uriah Heep. Wenn auch der Gesang auf eben diesen Aufruf beschränkt ist, kommen all die bekannten Stil-Elemente inkl. der schreienden Hintergrundchöre zum Zug. Da werden fast 40 Jahre Uriah Heep-Geschichte auf einen Song herunter destiliert, recycelt und dennoch neu geschrieben. Hut ab für diesen mutigen Beginn.

2 Overload

Kaum ist der schrille Weckruf verklungen, geht es sofort in hohem Tempo rockig weiter. Der Song hört sich von Anfang an gut an, Melodie und Rhythmus sind sehr typisch und erinnern sofort an einige Stücke der SOL oder SO. Dramaturgisch sehr abwechlungsreich und wohltuend die Hammond-Orgel sowie Russels druckvolles Spiel. Die Wahl für den neuen Schlagzeuger kann zweifellos als gelungen bezeichnet werden. Der Song dauert fast 6 Minuten und beinhaltet alle bekannten Facetten. Ein erstes Highlight.

3 Tears Of The World

Es geht auch mit Tempo in das dritte Stück. Für mich wäre dies das ideale Lied für eine Single-Auskopplung. Eingängig mit klarer Strophen-/ und mehrstimmiger Refrain-Struktur, dominiert von Micks Wah-Wah und erneut dominanter Einsatz der Hammond-Orgel. Etwas, das zweifellos im Radio gebracht werden könnte. Vielleicht wäre es noch besser vermarktbar mit etwas kürzerer Solo-Einlage.

4 Light Of A Thousand Stars

Dieser Song hat es wirklich schwer, das Eröffnungs-Trio noch zu toppen – und scheitert auch. Obwohl auch hier alle (modernen) Heep-Zutaten einfliessen, Phil sogar die Hammond einige Male “fauchen” lässt und auch der Refrain zum mitsingen einlädt, will der Song bei mir nicht richtig hängen bleiben. Sicherlich darf er trotzdem als solide Arbeit bezeichnet werden.

5 Heavens Rain

Man denkt, nun kommt das erste ruhigere Stück. Doch es will weder eine richtige Ballade werden noch vermag es die bisherige hohe Klasse zu halten. Dieser Song will bei mir einfach keine Freude aufkommen lassen. Auch wenn wiederum abwechslungsreich das Tempo variiert wird und viel Platz für einzelne Solos bleibt.

6 Book Of Lies

Irgendwie werde ich an die Achtziger-Jahre erinnert. Der Song ist zwar schön melodiös mit einem tollen Refrain hinterlegt, aber der eigentliche Liedinhalt ist mir zu abgehackt. Trotz druckvoller Bass/Drum-Unterstützung gefällt mir dieses Wechselspiel eher nicht so gut.

7 What Kind Of God

Sofort spürt man, dass nun wieder ein besonderer Track kommt. Für mich Bernie’s stärkste Leistung. Dazu ein Anfang mit dramatischen, spannungsgeladenen Rhythmen, die nach gut der Hälfte in einen fantastischen Schlussteil übergehen, wo alle Akteure sich mit grosser Klasse einbringen. Nach rund sechseinhalb Minuten endet dieser Übersong. Der Glanzpunkt dieser Scheibe!

8 Ghost Of The Ocean

Mick drückt mit seinem typischen Stil gleich ein weiteres Mal einem Stück den Stempel auf. Und was bei “Light Of A Thousand Stars” nicht gelingt, kommt hier so perfekt rüber, wie wenn es die einfachste Sache der Welt sei. Ein cooler Song mit tollen Einlagen, starken Rhythmus-Breaks und gutem Refrain. Ein weiterer Single-Kandidat. Und wieder peitschen die fauchend-kreischende Orgel und die Lead-Gitarre diesen Song über die Runde. Super.

9 Angels Walk With You

Ist das nun die Ballade, die nach dem Temporeigen schon fast erhofft wird? Endlich mal eine kleine Tempodrosselung, eventuell sogar ein Einsatz der Akustik-Gitarre? Doch nach einer Minute merkt man, dass nichts daraus wird. Doch diesmal kann ich mit dem Refrain nicht so viel anfangen. Der Versuch scheitert irgendwie gesanglich, wenn auch Schlagzeug und Orgel eine interessante Begleitung hinterlegen, der Gesangsrhyhtmus kann mich einfach nicht begeistern. Dennoch ein interessantes Stück, dem man vielleicht einfach ein wenig mehr Zeit geben muss. Jedenfalls ware es live sicherlich mit langen Solo-Einlagen und Improvisationen ein Mehrwert.

10 Shadow

Auch im zehnten Stück wird nochmals die Stilrichtung der ganzen CD bestätigt. Schnelles Tempo, gradliniger Song-/Refrain mit tollen instrumentalen Einlagen. Trevor drückt diesmal seine Basslinie über die ganzen dreieinhalb Minuten aufdringlich durch. Power-Rock vom feinsten.

11 War Child

Der letzte Song versucht das hohe Niveau nochmals leicht anheben und alle bereits erwähnten kompositorischen Zutaten kommen nochmals in etwas mehr als 5 Minuten in bester Manier daher. “War Child” ist sicherlich ein gelungener Schlusspunkt dieser unerwartet rockigen Heep-Scheibe.
Das Fazit fällt sehr gut aus. Auch wenn ganz progressive Stücke (wie z.B. Beetwen Two Worlds, Aggainst The Odds oder Universal Wheels) fehlen, fällt einem die unglaubliche Spielfreude auf. Man beschränkt sich zudem auf 11 Stücke mit klarer rockigen Linie, untermalt das ganze mit einer viel dominanteren Hammond-Orgel als früher und zieht alle weiteren heep-typischen Elemente hinzu. Bei jeden weiteren Reinhören fallen einem neue Details auf, auch das ein Zeichen für eine anspruchsvolle Produktion. Es gibt kein wirklich ganz schwaches Stück und die Highlights sind auch da, die Tonqualität ist vom feinsten und es ist zu hoffen, dass viele Stücke den Weg vor das Publikum finden. Sie laden geradezu ein, im Stile von Deep Purple auch mal ein wenig mehr zu improvisieren.

Mit dieser soweit positiven Kritik stehe ich nicht alleine da. Es freut mich, dass hier wie auch in den Online-Shops so viele Fans ihre gute Eindrücke festgehalten haben. Sollte jetzt die Partnerschaft mit Universal auch weiterhin gut laufen, wird es wohl nicht wieder 10 Jahre dauern bis eine Fortsetzung auf den Markt kommt…

Alex Burlet, 2008


Uriah Heep – Wake The Sleeper (Rezension von Heinz-Ulrich Tenkotten)

Nach langer, langer Zeit, nach einer ganzen Dekade, ist sie nun endlich erschienen: die neueste CD von Uriah Heep. Ich will jetzt nicht sagen, das Warten hat sich gelohnt. Auf keinen Fall. Eine solche Warterei ist für jeden echten Fan eine Qual. Aber:

Cover of

Cover of Wake the Sleeper

Als ich in der Nacht zum 30. Mai 2008 die Scheibe zum ersten Male hörte, legte ich die Ohren an. Sozusagen. Was für ein Sound… was für eine Dynamik…
Schon der erste Track, „Wake The Sleeper“, ist ein Statement. Rasant, in der Grundstruktur einfach, und doch filigran… da weiß man was man hat und woran man ist… Harter, rockiger Heepsound mit enormem Tempo, fast wie in den frühen 70ern oder auch 80ern des letzten Jahrhunderts.

Und es geht weiter so. Ich weiß nicht, ich glaube, nie klangen Uriah Heep rockiger, konsequenter und härter und irgendwie düsterer wie auf diesem neuesten Werk. Und das Track für Track. Es gibt keine Zeit zum Verweilen, zum Träumen, zum Ausruhen. Geradezu rastlos folgt ein Hardrock-Stück dem nächsten, die Scheibe atmet schwere metallische Dämpfe, sie lässt die Ohren dröhnen beim Stampfen und Vorwärtsdrängen.
Alles auf der Basis bekannter UH-Elemente: Mehrstimmiger Chorgesang und das „Ah-ah-ah“ sind wieder reichlich zu vernehmen, die Melodieführung ist eingängig und die Instrumentierung klassisch, durchweg. Keine Experimente in der Hinsicht. Vocals, Guitars, Keyboards, Bass, Drums. Und doch, für mich klingt das Ganze dunkler, heftiger und energiegeladener als üblich in den letzten Jahrzehnten.

Woran liegt’s?
Ist es der neue Drummer, Russell Gillbrook, der die Band entschiedener antreibt? Ansichtssache. Nun war Lee Kerslake (the Drummer of my youth) ebenfalls immer ein Energiebündel, da dürfte es keine zwei Meinungen geben. Es steht jedoch außer Zweifel, dass Russell mehr als nur Ersatz ist, ein würdiger Nachfolger, mit eigenem, dynamischen Stil. Sein rhythmisches Repertoire ist beeindruckend, und ohrenbetäubend.

Für mich ist die Überraschung Bernie. Nie war er, wie soll ich das sagen, so eigenständig in seinem Gesang, abwechslungs- und einfallsreich, ein Frontman, der Heep nun mit seiner Stimme prägt.
Die zweite Überraschung ist Phil Lanzon. Entschieden bleibt er beinahe durchgehend am Hammond-Sound. Er spielt die echte Rock organ die Tonleitern rauf und runter, wie ich sie von ihm noch nie gehört habe. Absolut im Stil der ersten Heep-Jahre. Fantastisch.

Dazu ein losgelöster, fetziger Mick Box, der seine Gitarren-Riffs geradezu lässig, fast mit Understatement, einem um die Ohren haut, Wah-wah-verzerrt und schmutzig genial, manchmal auch ein bis zwei Oktaven über allem schwebend. Hey, Mick, wie alt bist du eigentlich? Siebzehn? Es haben sich schon jüngere wesentlich älter angehört.
Last but not least Trevor Bolder. Gandenlos sein Bass… gelegentlich wie versteckt, nur mit dem Bauch und den Zehenspitzen zu erahnen, gelegentlich präzise und klar, dann wieder im Vordergrund gezupft, wie ein Soloinstrument. Alleine Trevors Song „Angles Walk With You“ ließ mir den Atem stocken. Dunkel und tief, wie man Heep so noch nicht kannte. Fantastisch.
Für mich schon jetzt eines der besten Heep-Scheiben der langen, langen Band Karriere.

Aber bevor ich zu sehr in Enthusiasmus abgleite: Vorsicht! Vorsicht!
Wie gesagt, die History der Band ist lang, und mancher Fan wird einen anderen Einstieg gefunden haben. Es muss ja nicht immer mit dem dröhnenden „Gypsy“ 1970 gewesen sein. Wie bei mir. Und nicht nur wegen der zahllosen Line-Ups, auch wegen einer ausgedehnten musikalischen Spannbreite und Experimentierfreudigkeit wird der eine oder die andere als Fan zur Band gestoßen sein. Sie oder er muss ja nicht ein absoluter Fan der Hardrock-Linie sein, wie ich…

Bei aller Kompaktheit, bei allen Heep-typischen Trademarks, man kann, hat man andere Vorlieben, eine Menge vermissen. Der Schläfer wird geweckt, mächtig, mit dröhnendem Klang, keine Frage, doch wozu?
Es fehlt die für UH sonst oft so typische, beliebte Ballade, absolut. Sie fehlt (wenn auch z.B. „What Kind Of God“ oder „Angles Walk With You“ wie eine beginnen).
Ebenso fehlt die zumindest für die Anfangszeit so unausweichliche wie prägnante Bluesnummer (wenn auch in „Shadow“ unter dem metallenen Gewand ein bluesiges Herz pocht).
Es fehlt die helle, durchsichtige, liebe- und meistens sehnsuchtsvolle Melodieführung, die für die Hensley-Zeit so typisch ist (wenn auch hier eine wesentlich einfachere Songstruktur bevorzugt wird als auf den letzten drei Scheiben zuvor und „Tears Of The World“ ein echter Heep-Song ist – bis auf die ein, zwei dunklen Zutaten…)
Es fehlen eindeutig die popigen, sagen wir, leichten Elemente – genauso wie die bombastischen, orchestralen Bläser- oder Streicher-Klänge…

Was wir hören ist kompakter, dunkler Hammersound, so, wie ich ihn liebe, so, wie ihn einst „Love Machine“ zu verheißen schien. Wahnsinn, für mich. Für manchen vielleicht eine Enttäuschung.
Trotzdem, Folgendes kann man dem Werk „Wake the Sleeper“ nicht absprechen. Es ist ohne Schnickschnack geschickt zusammengestellt, hat viele abwechslungs- und temporeiche Rhythmen, zeigt keine Schwächen, keine Songs, die fehl am Platze sind, entwirft eine einheitliche Atmo, und dröhnt durchgehend, wie zu besten Heep-Zeiten. Rock vom Feinsten. Man muss ihn nur mögen.

Das Booklet passt hervorragend zum Gesamteindruck, das Cover zeigt uns: Düsternis, in ihrer Würde und in ihrem Alter fast fremdartige Kunstwerke, Blitze und Wolken, und ganz, ganz schmal ein heller Streifen der Hoffnung am Horizont. Damit ist der Stil beschrieben.

Wo ist „Wake the Sleeper“ nun künstlerisch einzuordnen?
Schwer zu sagen, ich muss die Scheibe erst einmal noch so zwanzigmal hören und dann ein Jahr darüber schlafen. Zur Zeit ist  sie eines der absolut besten Alben der Band für mich. Doch das mag täuschen.
Mick erinnerte sich einmal, dass „Look At Yourself“, als es fertig war, sich so anhörte, wie die Band live klingen wollte. Das kann man von „WTS“ auch so sagen.
Elemente früherer Zeiten sind vorhanden, die Jungs bauen lässig, aber entschieden darauf. Anklänge an „See Of Light“ mag man hören, an „very ‘eavy, very ‘umble“, an „Look at yourself“, natürlich, an „Abominog“, weniger schon an die John Lawton- Ära, und wohl noch weniger an Unikate wie „High an Mighty“ und „Conquest“. Oder?

Aber reicht das entschieden rockige Auftreten, das hämmert wie „live on stage“, aus, es zu einem wirklich großen Album der Band-History zu machen? Mir reicht es. Andere mögen das anders sehen. Warum nicht? Ich geb’ ja durchaus zu: ich bin nicht annäherungsweise unabhängig neutral. Ich bin ein Heep-Fan, und Fan kommt von fanatisch.
Jedenfalls: Ich wünsche allen Fans und Freunden viel Spaß mit der Scheibe.
Lasst euch wachrütteln und durchschütteln, englisch: let it rock you! In etwa.

Heep-on!!!

Heinz-Ulrich Tenkotten, 2008


Gedanken zur Zeit (4.6.08) – von Jürgen Scholz

Meine lieben Freunde !

Nun ist sie da, die – immerhin nach 10 (zehn!!) Jahren – neue Studio-CD von URIAH HEEP – WAKE THE SLEEPER.

Im Jahre 1995 erschien SEA OF LIGHT, ein Meilenstein und enormer Lichtblick der Formation MICK BOX, LEE KERSLAKE, TREVOR BOLDER, PHIL LANZON und BERNIE SHAW nach der enttäuschenden vorher veröffentlichten DIFFERENT WORLD!

1998 dann wurde SONIC ORIGAMI veröffentlicht, für mich eine herbe Enttäuschung, da ich eine Steigerung zu SEA OF LIGHT erhofft hatte.

Ich empfand SONIC ORIGAMI eher als einen Nachfolger von DIFFERENT WORLD.

Während SEA OF LIGHT eine ordentliche Portion Power und Druckvolle Musik darbot, empfand ich SONIC ORIGAMI eher als zu leicht und zu soft – also ohne den kraftvollen Druck!

Wie nun ist die jetzt veröffentliche CD WAKE THE SLEEPER, mit dem neuen Drummer RUSSELL GILBROOK zu bewerten?

Also zunächst einmal, es handelt sich um die druckvollste Musik seit 1970. Das heisst, noch nie wurde die Musik von URIAH HEEP dermassen druckvoll eingespielt!

Ausser diesem enormen Druck lässt jeder Titel hochinteressante Melodie-Strukturen erkennen und Breitwand Chöre sind ebenfalls ausreichend – wie von URIAH HEEP erwartet – vorhanden.

Nun zu den einzelnen der 11 dargebotenen Titeln:

Wake The Sleeper

Der Opener besteht im Grunde nur aus kraftvoller, druckvoller Power-Musik und dazwischen der weltberühmte URIAH HEEP Breitwandchor-Schrei. Nur eine einzige Textzeile wird im Chor dazwischen gesungen: WAKE THE SLEEPER. Mit diesem ersten Stück wird sogleich mit Druck deutlich gemacht, was den Neu- oder den Altfan (wie mich) auf der neuen Scheibe erwartet! Ich jedenfalls bin hochzufrieden ob dieser Power!

Overload

MICK BOX treibt mit seiner WahWah Gitarre dieses Stück mit Macht zu BERNIE SHAW’S gesanglicher Hochleistung an. Hier beweist BERNIE einmal mehr, dass er mit seiner Stimme auch wundervolle Linien herauf und herab singen kann. Das Stück variiert zwischen schnell gespielter Power und auch langsameren Versatzstücken, wo auch die Orgel von PHIL LANZON wunderbar zum Einsatz kommt. Natürlich wird auch wieder URIAH HEEP Typisch mehrstimmig im Chor gesungen. Ein toller Titel, an welchem es nichts zu bemängeln gibt! Im Gegenteil!!

Tears Of The World

Auch dieses Stück beginnt Powerfull, dieses Mal von PHIL LANZON’S Orgel getrieben. Bernie singt den Titel wieder phantastisch eingebettet in die druckvolle Musik. Breitwandchöre unterstützen ihn in bester Manier! Wie bereits erwähnt, durchzieht jedes Stück die verschiedensten Melodien-Strukturen. Zu keiner Zeit kommt Langeweile auf, man wird praktisch immer mitgerissen! PHIL LANZON’S ORGEL und ein Trommelwirbel von RUSSELL GILBROOK lassen diesen Titel ausklingen.

Light Of A Thousand Stars

Dieser Titel fängt etwas langsamer an, jedoch keinesfalls seichter! Wie kraftvoll MICK’S Gitarre, PHIL’S Orgel, TREVOR’S Bass, RUSSELL’S Drums auch hier wieder BERNIE’S tolle Interpretation einbetten, nicht zu vergessen die enormen Breitwand-Chor Passagen. In der Mitte MICK’S Gitarrensolo – alles passt und ist auf das Feinste abgestimmt.

Heaven’s Rain

Fängt langsam getragen kraftvoll an, BERNIE singt es wunderbar einfühlsam. Es handelt sich um die erste Ballade auf dieser Scheibe, druckvoll dargebracht. Im Mittelteil wieder MICK’S Wah Wah Gitarre mit einem kurzen Solo. PHIL’S Orgel webt einen wunderbaren Klangteppich zu BERNIE’S herrlich einfühlsamer Interpretation.

Book Of Lies

Dies ist ein Titel, welcher am Anfang an einige der früheren Stücke dieser Formation erinnert. Aber auch nur ganz am Anfang. Dann fängt das Stück wieder an, einen in seinen Bann zu ziehen, durch unglaublich eindrucksvolle Komposition mit hochinteressanten Melodien-Bögen. Und vor allem durch BERNIE’S tollen Gesang. Das Stück klingt am Schluss dann wieder wie in früheren Tagen aus, so wie es begann.

What Kind Of God

Mein absoluter Lieblingstitel auf dieser Scheibe. Nicht nur, weil es mit 6.39 Minuten das längste Stück ist, sondern weil es das Melodischste ist. PHIL’S Orgel beginnt sanft mit BERNIE’S wundervollem Gesang. Nach der ersten Passage wird es, bei gleich bleibend langsamer Geschwindigkeit etwas kräftiger, teilweise Mehrstimmig. Vor allem bei diesem Titel gilt, wie die verschiedensten Melodien-Strukturen erkennbar und zu hören sind. Wer erinnert sich noch an das Outro von dem Titel CIRCLES OF HANDS auf der Platte DEMONS AND WIZARDS aus dem Jahre 1972? Auch hier bietet die Instrumentierung ein ähnliches Outro, aber bei WHAT KIND OF GOD ist es deutlich kraft- und druckvoller. Leider sehr leise und nur bei aufmerksamen zuhören erkennbar, BERNIE’S hochstimmige Schreie, welche bei dieser positiv kraftvollen Musik fast untergehen.

Ghost Of The Ocean

Bricht brachial mit MICK’S Gitarre los um gleich wieder in ein gut komponiertes und toll arrangiertes Superstück weiterzuleiten. Jedes – also auch dieses Stück dringt sogleich bis in die Speicherzellen ein um dort positiv zu lagern. Mehrstimmiger Gesang, druckvolle Instrumentierung zeichnen diesen Titel aus, um mit einem gekonnten Trommelwirbel von RUSSEL GILBROOK auszuklingen.

Angels Walk With You

Fängt Balladesk an, einfühlsam von BERNIE gesungen und von sanften Orgel-Klängen untermalt, um aber nach Kurzem wieder in ein kraftvolles Midtempo-Stück überzugehen. Dann wieder Balladesk. Dann ein Solo von PHIL auf seiner Orgel, absolut virtuos. Und weiter kraft- und druckvoll treibt die Musik mit BERNIE’S Gesang weiter, bis sie interessant ausklingt.

Shadow

MICK’S Gitarre und PHIL’S Keyboard beginnen kraftvoll und sogleich setzt BERNIE’S toller Gesang ein und kurz danach setzen wieder die ach so wunderbaren Breitwand-Chöre ein, um den SHADOW-Refrain mit zu singen. Und wieder ist es ein Stück, welches einen sogleich gefangen nimmt. Alles harmonisch aufeinander abgestimmt, kraft- und powerfull!!

War Child

Der Schlusstitel besteht von Anfang an aus einer Klangwand aus der gesamten Instrumentierung und der Drums- und Bass-Sektion. Bei den Breitwand-Chor Passagen hat man das Gefühl, hier spielen einige arabische Einflüsse aus 1001 Nacht eine kleine Rolle. MICK bastelt mit seiner Wah Wah Gitarre ein interessantes Solo im Mittelteil. Ein würdiger Abschluss dieser aussergewöhnlich gut gelungenen CD!!

Nun, gibt es denn gar nichts zu bemängeln oder zu kritisieren?? Ganz klar: NEIN!!

So sind URIAH HEEP heute und Gott sei Dank sind meine doch eher schwächeren Erwartungen voll und ganz positiv überrascht worden! Eine so gut gelungene CD habe ich wahrlich nicht zu hoffen gewagt.

Vielleicht spielt der frische Einfluss von RUSSEL GILBROOK mit einer entscheidenden Rolle dafür, dass soviel Power, Kraft und Druck in der neuen Musik vorherrscht!

MICK’S Wah Wah Gitarre ist auf der gesamten CD sehr dominant vertreten; aber das ist durchaus positiv zu empfinden, weil es eben alles aufeinander abgestimmt ist, weil es insgesamt mit der gesamten Instrumentierung harmonisiert, weil die Kompositionen allesamt mehr als gelungen sind und es nicht als störend empfunden wird, wie noch zu unseligen ABOMINOG Zeiten.

Euer, mehr als zufriedener, also über die neue URIAH HEEP CD sehr glücklicher

Jürgen Scholz aus Gelsenkirchen.


DER HEEPMÖRDER – Kriminalroman von Martin Wolter (Rezension von Ralf Schünemann)

Was mich als Uriah Heep- Fan an diesem Roman besonders interessiert hat war natürlich das Thema. Bereits das Buchcover erinnert stark an “Very Eavy, Very Umble“ und der Titel eindeutig an Uriah Heep.. Tatsächlich spielt die Musik von Uriah Heep eine entscheidende Rolle in dieser spannenden Geschichte…

Schon die Einleitung wird vom Autor packend, plastisch und sehr detailgenau erzählt. Man wird unweigerlich in das Geschehen mit hinein genommen. Dieser packende Erzählstil zieht sich weiter durch das ganze Buch. Erzählt wird zunächst eine Begebenheit aus Neumünster von 1971, die für das weitere Geschehen von großer Wichtigkeit ist.

Besonders gut gelungen finde ich die Schilderung der Charaktere sowie die detaillierte Beschreibung der Ereignisse. Auch gibt es immer wieder unerwartete Wendungen und Überraschungen im Laufe der Geschichte. Vieles ist miteinander verwoben und löst sich erst später auf.

Sehr genau und nichts für schwache Nerven sind auch die plastischen Zustandsbeschreibungen der bestialisch ermordeten Opfer. Wer schwache Nerven hat wird hier womöglich seine Grenzen finden…

Nach dem Einleitungsteil und dem ersten Mord der Gegenwart zieht sich die Musik von Uriah Heep wie ein roter Faden durch die dramatischen, teils erstaunlich miteinander verworrenen Ereignisse. Aber erst sehr viel später kommt die“Botschaft“ der Musik heraus, die in der Vergangenheit zu finden ist…

Die Frage nach dem Mörder bleibt bis zum Schluss völlig offen. Mörder und Motiv waren für mich überraschend.

Fazit:
Dieser Roman ist sehr spannend und lebt von seiner gekonnt plastischen Schilderung des Autors, so als hätte er daneben gestanden. Es “knistert“ bis zum Ende…

Wenn man den Lebenslauf des Autors betrachtet, weiß man, dass er tatsächlich genau kennt, worüber er schreibt… Es ist in seiner Story nichts dem Zufall überlassen und alles wirkt echt und logisch.

Meiner Meinung nach wäre diese Story auch für eine Verfilmung bestens geeignet. Es ist alles enthalten, was in einem Film Spannung erzeugen kann…

Für Uriah Heep -Fans ist dieses Buch in jedem Fall ein Muss. Es gehört in jede anspruchsvolle Sammlung.
Mein Urteil: Beide Daumen hoch !!! Unbedingt empfehlenswert!

Ralf Schünemann, 2007

Romanbestellung und weitere Infos unter >>  www.meadi.de


Ken Hensley- Blood on the highway (Rezension von Axel Burlet )

Ich war zuerst mal voller Vorfreude auf Ken’s neuestes Projekt und als ich die begeisterten Reaktionen im SOT-Forum las, konnte ich kaum auf die Zusendung der Scheibe warten. Und es ist in der Tat verdientes Lob von Fans und Medien. Noch kein Solo-Album von Ken hat meiner Meinung nach so hohe Noten verdient. Mit dem Konzept der Lebensgeschichte spinnt er einen dramaturgischen Faden, der durch den Einsatz der verschiedenen Gastsänger/in nie zu reißen droht.

Mit “Just the beginning” wird das Album bereits rockig eröffnet. Jorn Landes Stimme ist auf Anhieb angenehm. Kein Softie – eben ein Rocksänger. Zudem ist die Orgel zu hören, welche für mich einfach das Markenzeichen von Ken ist. Der Einstieg ist geglückt. Der Refrain ist einprägsam, verstärkt durch Backvocals. Ich erwarte gespannt den nächsten Song “We’re on your way”.

Nun singt Ken, aber schon bald übernimmt erneut Lande wieder das gesangliche Zepter. In den Refrains kommen verschiedene Andeutungen von Heep-Songs (Lady in Black, July Morning-Intro, Free Me). Bereits ist erste Mitsing-Stimmung aufgekommen.

Das dritte Stück, der Titelsong, beginnt düster und erwartungsvoll. Instrumentenmässig etwas facettenreicher als die ersten beiden Lieder. Der Refrain wiederum gut einprägsam, könnte gut im Radio gespielt werden. Jorn Lande drückt diesem Song über die verlogene Musikbranche besonders seinen Stempel auf.

Mit “You’ve got it” singt Lande auch das vierte Stück, diesmal ein bereits bekanntes Stück von Ken. Und Lande ist auch hier eine ausgezeichnete Wahl zum Thema Euphorie und Drogen. Diese Version kommt klar besser als das Original rüber. Dafür haut Hensley nochmals in die Tasten seiner Hammond, die in diesem Lied natürlich auch nicht fehlen darf.

5. Track – Erster Szenenwechsel; Nach dem Aufstieg der Fall
[gesprochen von einer Frau (Ken's?) im Hintergrund läuft "Easy Livin' ". ]

Lied Nummer 6 – mit John Lawton. Man ist sofort von der Intensität des Stücks gefangen genommen. Vorbei ist die Lässigkeit der ersten Lieder (im geschichtlichen Aufstieg zum Rockstar). Zu ernst ist die Thematik um Selbstlüge und Wahrheit. Zudem geht es einiges härter zur Sache, Gitarre und Orgel brettern in höherem Tempo. Einmal mehr erzeugt John’s Stimme Gänsehaut. Schade, dass es sein einziger Solopart auf der CD bleibt.

Mit dem Stück 7 folgt das zweite Lied aus Ken Hensleys Fundus. “Think twice” gesungen von Eve Gallagher über die ganze Tragik des Erfolgs. Der melodramatische Song ist perfekt arrangiert und übertrifft das Original an Intensität. Eine weitere Glanznummer auf der CD. Ken beweist eine sichere Wahl der Künstler am Mikro. Eve’s rauhe Stimme ist Weltklasse.

8. Track 8 – Zweiter Szenenwechsel – Ausstieg und Neustart in Soloprojekten.
[gesprochen von einer Frau (Ken's?) im Hintergrund läuft "Easy Livin'".]

Der nächste Song singt Ken wieder selbst. Diese gefühlvolle Ballade eröffnet die Thematik des geläuterten Rockstars. Hier muss er einfach singen, passt bestens ins Konzept. Herrlich akzentuiert dazu das Piano und ein schönes Saxophon-Solo.
[Es handelt sich offenbar auch um ein bereits früher veröffentlichtes Stück von Ken. Ich habe jedoch die CD nicht und kann daher nicht beurteilen, ob es stark vom Original abweicht.]

“Okay” das zehnte Stück wird von der Bühne gesungen. Ein an Easy Livin’ nachempfundener schneller Rhythmus und Jorn Lande sing druckvoll auf. Das stärkste Stück mit ihm. Dazu ein schönes Gitarrensoli und erneut ist die Orgel mit im Spiel. Auch hier lädt der Refrain zum Mitsingen ein, zumal er den Live-Charakter durchzieht und am Schluss mit Applaus und Verabschiedung endet. Genial gemacht!

Das elfte Stück “What you gonna do” bringt nochmals eine neue Stimme in Spiel. Eine eher ruhige Nummer, die Glenn Hughes sehr gefühlvoll vorträgt. Phasenweise erinnert mich seine Stimme und die Art wie er das Lied singt an John Sloman auf “Conquest”.

12. Track – Dritter Szenenwechsel; Gegenwart
[Ken singt nochmals das Thema von Lied Nummer 2 an]

In Nr. 13, dem vorletzten Song “I did it all” kommt der Meister nochmals selber am Mikro zum Zug. Er resümiert eindringlich seine Erfolge und die Einsicht, dass nun andere ganz oben stehen. Ein Lied über Vergänglichkeit im Showbusiness und über Eindrücke und Erinnerungen in solch einem Leben. Der Einsatz des Orchesters gibt zusätzliche Fülle.

Den Schlusspunkt setzt dann Track 14, das neu arrangierte “The last dance”. Hier bin trotz mehrmaligen Hin- und Her-Hören zwischen Original und der von Glenn Hughes gesungenen Variante zu keinem endgültigen Schluss gekommen, welches die bessere Version ist. Aber da es sowieso eines der besten Lieder aus Hensley’s Neuzeit ist, spielt das keine Rolle, da es diese phantastische Scheibe ideal abschliesst.

Fazit:
Ken gelingt nicht zuletzt dank der Wahl der Gastsänger ein rundum gelungenes Konzept-Rockalbum ohne Schwächen. Die Geschichte hat einen roten Faden mit thematischen Übergängen. Dazu Anspielungen auf Heep-Songs. Noch nie hat er ein so durchgehend gutes Album herausgebracht. Für mich das beste seiner Solo-Karriere.
Nachdem Ken nun aber in den letzten Jahren genügend seine Altlasten vorgetragen und aufgearbeitet hat, dazu reichlich christliche Überzeugung intoniert und sein Backkatalog und alte Heep-Songs inkl. Lady in Black und Free Me als Single neu aufgelegt hat, ist es an der Zeit wirklich nach vorne zu sehen und neue Dinge zu tun. Er kündigt dies ja auch in den Interviews an. Der Erfolg sei im zu gönnen, hat er doch niemanden mehr zu beweisen, was für ein begnadeter Songschreiber und Komponist er im Rockgeschäft war/ist. Der Fan sollte aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es eben kein Heep-mässiger Return geben wird. Zu recht. Das Thema des aufsteigenden und gescheiterten Rockstars ist zwar nicht neu, man weise zum Beispiel auf Erik Norlander’s “Music Machine” hin. Aber hier kann endlich Ken seine Geschichte seinem Können entsprechend aufarbeiten (inkl. Buch). Die drei Solo-Alben der letzten Jahre konnten das jeweils nämlich nur bedingt.

Alex Burlet, 2007


Alter Sound auf neuen Scheiben (Rezension von Thomas Schaumburg)

Als Fan des Sounds der frühen 70er Jahre bin ich stets auf der Suche nach Bands gewesen, die diesen Sound leben und womöglich noch auf der Bühne spielen. War diese Suche seit den 80er Jahren quasi erfolglos (wenn man von der Entdeckung entsprechender Platten aus den alten Zeiten selbst absieht), so hat sich das im neuen Jahrtausend erfreulicherweise geändert. 

Durch die Welle der neuen progressiven Bands ist die Musik der70er Jahre plötzlich wieder belebt worden. Da gibt es die populärere Richtung, die den Stil der ausufernden Songstrukturen mit aktuellen Instrumenten spielen, federführend seien da die Bands und Projekte von Leuten wie Neal Morse und Roine Stolt genannt (Spock’s Beard, Transatlantic, The Flower Kings, The Tangent). Daneben gibt es Bands, die den alten Stil auch mit den originalen Instrumenten spielen (man nennt das dann „alter Sound“, wobei nicht alle Hörer in der Lage sind, das zu unterscheiden. Das Album „Seven“ der Band Magenta kaufte ich nämlich auf entsprechenden Hinweis bei justforkicks.de – und siehe da: keine Spur von altem Sound, „nur“ Transistororgeln und moderne Sounds bei allen Instrumenten. Ich erinnere ebenfalls an die angeblich richtige Hammond auf Uriah Heep’s „Sea Of Light“). Um das auch für Laien mal ganz klar abzugrenzen: von der Firma Hammond gibt es natürlich auch neuere Modelle, insbesondere die XB2. Diese imitieren zwar den Sound der alten Modelle, sind aber keine elektromagnetisch betriebenen Orgeln. Vereinfacht gesagt: die  hier gemeinten „richtigen“ Hammondorgeln sind von einem Motor angetrieben, der Ton wird elektrisch-mechanisch erzeugt, die anderen Orgeln erzeugen Töne auf elektronische Weise.

Alter Sound erfordert für meine Begriffe also originale Hammondorgeln (namentlich die Modelle B3, C2/3, A100, M100, L100, u.a.) mit oben beschriebener Funktionsweise, Wurlitzer und Rhodes Pianos, Mellotrons, Clavinets und entsprechend zeitgemäße Gitarrensounds (die kann ich jetzt mangels Sachkenntnis leider nicht genau beschreiben). In der Tat ist es möglich, bei bestimmten Händlern solche alten Instrumente zu kaufen und nicht unbedingt teuer. Mein Händler erzählte, dass er die meisten Hammondorgeln nach Italien liefert. In der Tat stellte ich beim Erhalt einer Lieferung von vier neuen CDs mit 70er Musik fest, dass zwei der Bands, die ich entdeckt hatte, italienische Bands sind. Aber auch in Deutschland tut sich in dieser Richtung etwas. Eine Band war eine deutsche und die vierte eine Schwedische.

Zwei dieser vier CDs möchte ich hier vorstellen, um sie Liebhabern des 70er Jahre Sounds nahe zu bringen. Erwähnen möchte ich noch, wie ich dazu gekommen bin. Seit einigen Jahren gibt es das Musikmagazin „Eclipsed“, das sich vornehmlich mit progressiver und Musik der 60er/70er Jahre beschäftigt. Das Magazin startete als Fanclubzeitung von Pink Floyd und hat sich über die Jahre als Bibel für eine ganze Stilrichtung etabliert. Das geht von den Beatles über Queen bis Porcupine Tree, von Kraan bis Ton, Steine, Scherben.

Den Ausgaben sind CDs mit verschiedensten Songs beigefügt. Von relativ bekannten Künstlern wie Spock’s Beard über John Wetton bis zu Arena und völlig unbekannten Bands wird dort eine ziemliche Bandbreite an alternativer (für den heutigen Normal-Monotonradio-Hörer) bis progressiver Musik vorgestellt. Und dort gibt es für jeden Rockfan einiges zu entdecken.

Die hier vorgestellten Bands habe ich auf den Eclipsed-Samplern entdeckt. 

London Underground – Through A Glass Darkly (2003)

Weder von der Musik noch vom Gesang kommt eine mediterrane Assoziation auf, die Klänge verbreiten ein wahnsinnig  authentisches 70er Feeling.  Und doch handelt es sich hier um eine Band aus Italien. Als Liebhaber progressiver Kläge der frühen 70er Jahre denkt man natürlich zuerst an englische Gruppen, die den Sound damals prägten. Wer aber ebenfalls Italien mit seinen alten Städten und Dörfern und den irgendwie immer verträumt wirkenden Landschaften kennt, der kann diese auch vortrefflich mit dieser Musik und diesem Sound verbinden. Alte toskanische Palazzi, abbröckelnde Fassaden zu Hammond und Mellotron – das paßt irgendwie auch gut zueinander.

Die CD der vier Italiener also wurde bereits in den Jahren 2001 und 2002 in Florenz (na also!) aufgenommen. Die Besetzung besteht aus singendem Schlagzeuger, Organist, Bassist und Gitarrist. Gastmusiker steuern Saxofon und Querflöten bei.

Auch das Cover und Booklet der CD sind sehr ansprechend im 70er Stil aufgemacht, ausgesuchte Texte sind abgedruckt und mit Zeichnungen verziert. Optisch lassen sich die Musiker anhand der Fotos auf mittleres Alter schätzen, insbesondere Sänger und Drummer Daniele Caputo sieht original wie auf einem Foto aus den 70er Jahren aus. Von den elf Songs sind neun eigene Werke. Zwei eigenständige Coverversionen stammen von Vorbildern aus der glorreichen Zeit: „Can’t Find The Reason“ von Atomic Rooster (Hammondlegende Vincent Crane) und „Travelling Lady“ von Manfred Mann. 

Der Song vom Eclipsed-Sampler, der mich auf die Spur führte, war „Sermonette“. Ich behaupte schlicht, da steckt in puncto Feeling für eine Zeitreise in die 70er Jahre und Abspannen von der Gegenwart alles drin. Der kurze von Vergänglichkeit handelnde Text spiegelt das wieder. Nach Hören dieses Songs mußte das ganze Album unbedingt her.

Der wie herüber gewehte Gesang zu „The Days Of Man“ läßt einen ebenfalls gleich entschweben, entrückende Harmonien untermalen dies, bis einen dann die Hammond in den Griff nimmt. Bei „End Of The Race“ übernimmt die Hammond das Leitthema, was man auch sehr selten hört.

Alle Titel enthalten entspannte bis massive Hammondeinsätze und sind durchweg im „alten“ Sound gehalten. Solistische Einlagen kommen meist auch von Tasteninstrumenten. Die Bandbreite reicht von sehr ruhigen bis zu rockigen Nummern. Alles recht eingängig mit mehrstimmigem Gesang, keinerlei Gefrickel und auch kein heavy Riffs, auch wenn sie es mal krachen lassen. Manchmal fühlt man sich deutlich an Procul Harum oder an Spooky Tooth erinnert. Mit deren Musik kann man London Underground wohl am besten vergleichen. Wer die Hammond mag, wird dieses Album auch mögen.

Moongarden – ´Round Midnight (2003)
Musikalisch aus ähnlicher Richtung kommen Moongarden. Geografisch ebenfalls aus Italien. Anhand der Musik ist dies hier ebenfalls keinesfalls feststellbar. Im Gegensatz zu London Underground werden allerdings öfter analoge Keyboardsounds eingesetzt, teilsweise kommen also 80er Klänge wie bei Wave-Rock-Bands hinzu, was insgesamt einen moderneren Eindruck hinterläßt. Der Gitarrensound klingt teils neoprogressiv, meist wird sie begleitend und oft mit verhallenden Effekten eingesetzt. Bass und Schlagzeug klingen auch moderner. Auffällig ist die akustisch hervorgehobene, für mich hier aber überraschend gut klingende, staubtrockene Snaredrum. Für mein Empfinden paßt der Bandname sehr gut zur Musik. Moongarden sind fünf Leute in klassischer Besetzung. 

Optisch ist das Album absolut modern aufgemacht mit kühlen Farben und Fotomontagen auf weißem Unterground, in verschiedenen Schrifttypen gesetzten Titeln. Auch die Bandfotos zeigen die Herren unisono in weißen Hemden mit schwarzer Krawatte und überwiegend Kurzhaarschnitten. Die Songs sind überwiegend ruhig und sphärisch, dauern meist fünf bis sieben Minuten. Zwei kürzere und ein über zehnmütiger Track sind auch dabei. Dieser fängt dann fast heavy an und entwickelt sich zu einem vielseitigen Epos.

Auslöser für mein Interesse war hier der Titelsong, der sich fast acht Minuten leicht sphärisch ausbreitet. Besonders angetan hat es mir der Übergang zum Refrain, eine Wahnsinnsstelle. Die Spannung steigt, staut sich auf und fließt dann entspannt im Refrain aus, auch textlich: „…feels like..like…falling weightlessly …to the ground …everything is fading away“. Inhaltlich geht es aber doch mehr um ein Treiben in der modernen industrialisierten und entmenschlichten Welt.

Der Song „Wounded“ ist von ähnlicher Spannung und auch gut für eine satte Procul Harum-Attitüde. Beiden Songs fließen in sehr schönen langen Gitarrensoli aus, hier ist wohl eine Paul Reed Smith im Einsatz.

Das weitere Material ist überwiegend ruhig und sphärisch, aber nicht ohne Kraft. Der zweite Song „Wounded“ steigert sich langsam, der Druck von Hammond und Mellotron nimmt ständig zu. Am Ende schließt ein langes getragenes Gitarrensolo den Song malerisch ab. Erinnert schon irgendwie an den Salisbury-Sound gepaart mit Return To Fantasy, nur eben moderner. „Slowmotion Streets“ schwebt irgendwie völlig zeitlos schwerelos durch den Raum, meditativ. Anschließend reißt eine fette Gitarre da wieder raus und ein schweres Soundgewitter mit fetten Baß und schwerer Orgel stampft zehn Minuten lang los, angetrieben teils auch von Beckengewitter und Doublebassschüben. Eine Orgelfigur bleibt im Ohr hängen, irgendwo bei ELP oder so, gibt’s ein ähnliches Motiv. Schöne schwermütig getragene Gesangsstimmen fügen sich später ein. Gitarrenbögen hellen die Stimmung weiter hinten etwas auf. Ein Monstersong.

Alle Songs auf diesen Scheiben sind hörenswert. Man muß sich wirklich die Zeit nehmen, sich das alles mal in Ruhe anzuhören. Es ist ein Wohltat inmitten der vielen Sachen, die man heute überall hört. Die Musik hat die Tiefe, die man auf alten Scheiben der 70er auch finden kann. Ganz unverbraucht und ohne auf irgendwelche Strömungen zu achten. Und in der Tat gibt es auch noch weitere Bands, auf die diese Attribute passen. Zum Beispiel die Hamburger Band Sylvan. Aber darüber vielleicht mal später.

Thomas Schaumburg, 2005

EROL SORA – Demented Honour (Rezension von Ralf Schünemann)

“Demented Honour” von Erol Sora 2005, Duration Records, Canada.

Die äußere Gestaltung der CD ist überwiegend in rot gehalten, Motiv- Abstufungen in schwarz und die Schrift weiß. Das schwarzweiß abgestufte Motiv von Erol ist gekonnt eingearbeitet und “fließt“ in die übrige Gestaltung hinein. Alles wirkt sehr ansprechend.
Auf der CD-Rückseite dominiert das Schwarz. Rechts ist dort ein Bild von Erol in rötlich-braunen Schattierungen zu sehen. Es fügt sich gut ein.

Im Booklet befinden sich sämtliche Songtexte, übersichtlich aufgelistet. Die Texte sind weiß geschrieben, auf schwarzen Grund. Die Überschriften sind auffällig orange. Zwei Motive von Erol in schwarzweiß befinden sich ebenfalls im Booklet. Hinten stehen noch einmal die Song-Titel sowie die Namen aller Musiker und Personen, die irgendwie an der CD-Produktion beteiligt sind.

Die CD selbst ist schwarz lackiert, Schrift und Infos in rot, silbern und weiß gehalten. Nach dem Herausnehmen der CD ist ein Schattenriss von Erol auf rotem Grund durch den Kunststoffboden hindurch zu sehen.

Insgesamt eine optisch sehr schöne Gestaltung, die sofort ins Auge fällt. Das wurde mit einfachen Mitteln erreicht. Ansprechend und gut.

Die Titel

Guilty
Beginnt sofort mit vollem Tempo und ist stark Gitarrenbetont. Schnell setzt klarer, gut passender Gesang dazu ein. Es gestaltet sich sehr melodisch. In diesem angenehm flotten Tempo geht es weiter bis zum Schluss. Ein gut gewählter “Anheizer“. Der kurze, gut eingehende Refrain lässt sich gleich mitsingen.

Highway To Nowhere
Im gleichen Stil geht es weiter, ein wenig ruhiger und etwas leiser. Auch hier ein schöner Refrain. Ab und zu ist das helle Aufheulen einer Gitarre zu vernehmen. Bei rockigem Rhythmus geht auch dieser Song schnell in Fleisch und Blut über.

Along The Way
Mit akustischer Gitarre wird es jetzt sehr ruhig. Sanfter Gesang setzt dazu ein. Es klingt wie Folk-Musik. Dann ein “Break“ zu einer härteren Gangart, aber immer noch nicht hektisch. Schöne, warme Gitarrenklänge sind zu hören. Mit 5:44 Min. Dauer ist dieser Song allerdings etwas zu sehr in die Länge gezogen. Es endet schließlich ruhig mit ausklingenden Gitarren.

Barstool Corner
Jetzt wird es wieder rockig. Schnell beginnt der Gesangspart bei angenehmer Melodie. Das passt. Es folgt noch ein tolles Gitarrensolo. Wieder passender Gesang, dann ein weiterer Solopart. Insgesamt angenehm anzuhören.

N Y C
Es folgt ein kurzer Beginn mit Schlagzeug. Schon bald gestaltet sich dieser Song sehr melodisch. Er ist stilmäßig sehr dicht an den anderen Titeln. Herausragend ist nur der kleine Zwischenpart mit verlangsamtem Tempo.

One Way Ticket
Harte Gitarren und flottes Schlagzeug, dazu rauer Gesang bestimmen diesen Song. Das ist jetzt guter Hardrock! Bei gleichbleibendem Tempo gibt es ein “klassisches“ Gitarrensolo im Mittelteil. Dann weiter wie zuvor. Mit einem erneuten Solo klingt es schließlich aus.

Piece Of Paper
Bei jetzt ruhigem Schlagzeugrhythmus setzt bald “voll“ klingender Gesang ein. Im melodischen Refrain werden glockenhelle Gitarrenklänge im Hintergrund geboten. Gefällt mir gut. Fast ohne Übergang folgt ein bluesiger Abschnitt mit anschließendem, kurzem Gitarrensolo. Dann wieder bluesig bis zum Schluss.

Broken Dreams
Ein Kräftiger Beginn nach “finster“ klingendem Gitarrenspiel. Dann kräftiger Gesang zur flotten Musik. Rockig und gut. Im Hintergrund angenehmes Aufheulen von E-Gitarren. Die Stimme kommt hier besonders gut und passt ins Gesamtgefüge. Es geht ein bisschen in Richtung Uriah Heep. Im Mittelteil schön langsam und ruhig, dann wieder das Anfangstempo bis zum Schluss.

If You Ever Need Love
Ein “voller“ Beginn, gefolgt von einer schönen Stimme. Die Musik ist einfach, aber “wirkungsvoll“. Zwischendurch gibt es einen Gesangs- “Dialog“ mit zwei stimmlichen Varianten im Wechselgesang. Das ist sehr interessant. Das Gitarrensolo im Mittelteil klingt gut. Zum Schluss ein ruhiger Ausklang.

Rain
Zunächst ist ein atmosphärisch-ruhiger Einstieg zu vernehmen. Dann setzt passend ruhiger Gesang dazu ein. Endlich sind einmal die Keyboards deutlich zu hören, sanft und leise. Dazu ebenso sanfte Gitarren. Ein spanisch klingendes Akustik-Gitarrensolo setzt angenehm ein. Später tauchen wieder heulende E-Gitarren auf. Aber insgesamt ruhig bis zum Schluss.

Fazit
Nach dem ersten Hören war ich angenehm überrascht! Es ist eine sehr melodische, stark Gitarrenbetonte CD, die schnell im Ohr “hängen“ bleibt. Das hatte ich so nicht erwartet. Größte Überraschung für mich ist aber die durchgehend gute, sichere Stimme von Erol Sora.

Nachteil an diesem stilistisch recht ausgewogenen Werk ist, dass man sich sehr schnell “eingehört“ hat und eine gewisse Gleichförmigkeit dann auf Dauer nicht ausbleibt. Eine 2. Stimme, etwas mehr Schlagzeug und Keyboards, hätten hier ein wenig Abwechslung bringen können.

Es wäre allerdings unfair, hier den Maßstab eines erfahrenen Meisters wie z. B. John Lawton, anzulegen. Für ein Erstlingswerk ist diese CD beachtlich gut! Sie wird in nächster Zeit noch oft in meinem CD-Schacht landen. Bei jedem Hören kommen neue Details zum Vorschein.

Weiter so, Erol. Go on!

Gruß

Ralf Schünemann, 2005

Offizielle Website von EROL SORA unter www.erolsora.com